Fragen im Vorstellungsgespräch:

Nicht alles ist erlaubt!

Fragen im Vorstellungsgespräch

 

Wo ist die Schmerzgrenze?

1. Warum möchten Sie Ihren aktuellen Arbeitsplatz verlassen?
2. Was verdienen Sie aktuell?
3. Welcher Religionsgemeinschaft gehören Sie an?
4. Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?
5. Was war Ihr größter beruflicher Misserfolg?

Was glauben Sie?

Welche der fünf Fragen sind in einem Vorstellungsgespräch erlaubt und sollten unbedingt wahrheitsgemäß beantwortet werden? Und welche der fünf Fragen sind keineswegs erlaubt und Sie dürfen ohne juristische Konsequenzen zur Not auch flunkern?


Hätten Sie es gewusst?

Grundsätzlich nicht erlaubt sind nur die Fragen 2. und 3. Aber es gibt trotzdem Ausnahmen. Die Frage nach der Religionsgemeinschaft ist z.B. nur ausnahmsweise erlaubt, wenn man sich bei einem Arbeitgeber bewerben möchte, der einem kirchlichen Träger angehört.

Der gesetzliche Hintergrund:

Im Jahr 2006 ist das Allgemeine Gleichhandlungsgesetz (AAG) in Kraft getreten. Da kein Bewerber aufgrund seines Geschlechts, Alters, Herkunft, Religionszugehörigkeit und seiner sexuellen Ausrichtung bei seine Bewerbung benachteiligt werden darf, regelt das Gesetz alle zulässigen und unzulässigen Fragen in einem Vorstellungsgespräch.
 

Nicht alle Fragen im Vorstellungsgespräch sind erlaubt 

Unzulässige Fragen erkennen

Klar im Vorteil ist, wer im Bewerbungsgespräch die unerlaubten Fragen erkennt und entsprechend reagieren kann. Aber was bewegt einen Arbeitgeber dazu, Ihnen überhaupt unerlaubte Fragen zu stellen?
Oft ist es einfach nur Unwissenheit. Der Personaler fragt, was ihn interessiert um die Arbeitsstelle perfekt zu besetzen, und hat sich über das AAG keinerlei Gedanken gemacht. Aber es kommt immer häufiger vor, dass es sich um Test- oder Fangfragen handelt. Schließlich ist es eine gute Gelegenheit für den Personalverantwortlichen herauszufinden, wie Sie sich in dieser Stresssituation verhalten. Weisen Sie den Arbeitgeber barsch in seine Schranken? Oder finden Sie eine clevere Antwort, die der Situation gerecht wird, ohne die Frage auf den Punkt zu bringen?
 
Wie Sie hier reagieren, sagt unter dem Strich eine Menge über Ihre Persönlichkeit aus. Ein souveräner und entspannter Umgang mit solch einer brenzligen Situation kann Ihnen einen entscheidenden Vorteil um den gewünschten Job bringen.


Das müssen Sie nicht beantworten:

▪ Sind Sie Mitglied in einer Gewerkschaft?
▪ Sind Sie Mitglied in einer politischen Partei?
▪ Haben Sie Schulden?
▪ Haben Sie eine kriminelle Vergangenheit bzw. sind Sie vorbestraft?
▪ Sind Sie homosexuell?
▪ Rauchen Sie eigentlich?
▪ Welcher Glaubensgemeinschaft gehören Sie an?
▪ Leiden Sie an chronischen Krankheiten?
▪ Waren Sie in den letzten Jahren häufig krank?
▪ Sind Sie schwanger?
▪ Planen Sie zu heiraten?
▪ Wollen Sie in absehbarer Zukunft Kinder?
▪ Erzählen Sie uns etwas über Ihre ethnische Herkunft?


Ausnahmen:

Wenn Sie einen Arbeitsplatz als Kassierer, Geldtransporteur oder Wachmann antreten möchten, ist für den Arbeitgeber die Frage nach privaten Schulden durchaus erlaubt.
Die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft oder einer politischen Partei wird zu einem wichtigen Kriterium, wenn man sich bei einem Träger einer Religionsgemeinschaft oder einer politischen Partei bewirbt und ist in diesem Fall zulässig.

Für Angehörige in Heil- und Pflegeberufen ist es wichtig, nicht selbst Träger von infektiösen Krankheiten zu sein. Hier hat der Arbeitgeber das Recht auf wahrheitsgemäße Auskünfte die persönliche Gesundheit betreffend. Gleiches gilt für die besonderen Vorschriften der Nahrungsmittelhersteller etc.
 
Wenn ein Arbeitgeber einen Kassierer einstellen möchte, darf er fragen, ob der Bewerber eine Vorstrafe wegen Diebstahl hat. Er darf nicht fragen, ob eine anderweitige Vorstrafe, beispielsweise wegen Fahrerflucht, vorliegt.

 

Fragen im Vorstellungsgespräch teilweise unzulässig

Erlaubt dagegen sind:

Haben Sie irgendwelche körperlichen Einbußen, die Sie an der Ausübung der ausgeschriebenen Tätigkeiten beeinträchtigen?

So gestellt ist die Frage des Personalers natürlich zulässig. Sollte z.B. ein Maschinenbediener vorrübergehend starke Medikamente nehmen, die seine Leistungsfähigkeit an der Maschine beeinträchtigen, ist es unbedingt ratsam, bereits von sich aus im Vorstellungsgespräch offen die Karten auf den Tisch zu legen.
 
Erzählen Sie uns doch etwas über sich?
Diese Frage wird oft gestellt und ist für den Interviewer dankbar, denn hier
bleibt es Ihnen überlassen, was, wie viel und wie strukturiert sie Ihr bisheriges und zukünftiges Leben   darstellen.


Wichtig: Verzetteln Sie sich an dieser Stelle nicht in zu viele Einzelheiten.

 Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?
Hier geht’s darum, wie sich die berufliche und evtl. auch private Situation entwickeln soll.
 
Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit der Familie?
Auch hier versucht der Arbeitgeber die Familiensituation mit seinen erlaubten Mitteln zu erfragen   und überlässt es Ihnen, wie weit Sie Ihm in Ihre Privatsphäre Einblick gewähren.
 
Welche Hobbys haben Sie und treiben Sie regelmäßig Sport?
Bei der Beantwortung dieser Frage sollen Sie sich klar machen, dass Sport aus gesundheitlichen Aspekten zwar gerne gesehen wird, Risikosportarten dagegen nicht. Solange der Sport Ihre beruflichen Bereiche nicht berührt, bleibt Ihnen die Antwort frei.

Fragen im Vorstellungsgespräch diplomatsiche Antwort

Unerlaubte Fragen? Bleiben Sie trotzdem cool:

Verlieren Sie Ihr Ziel nicht aus den Augen. Sie sind schließlich angetreten und wollen den Job unbedingt. Doch wie reagieren Sie am besten auf die unerlaubten Fragen? 
Keinesfalls sollte man den Gesprächspartner darauf aufmerksam machen, dass er diese Fragen gar nicht stellen darf. Schließlich sollte man in einem Vorstellungsgespräch nicht auf Krawall gebürstet sein. Im Idealfall fällt Ihnen eine diplomatische Antwort ein, die auf freundliche oder humorvolle Art ausweicht. Legitim ist es auch, zu sagen: „Diese Frage überrascht mich jetzt, damit habe ich gar nicht gerechnet, das hat mit meinen beruflichen Belangen ja gar nichts zu tun. Wenn alles nichts hilft, darf man auch sagen, dass man diese Frage nicht beantworten möchte. In manchen Positionen kann es auch ein Vorteil sein, sich nicht zu klein zu machen.
 
Die Frage, ob Sie am Ende für einen Arbeitgeber arbeiten möchten, der Ihnen unzulässige Fragen stellt, sollten Sie sich erst zuhause stellen.

Autorin: Sabine Ratermann

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