Lücken im Lebenslauf:

Was tun, wenn Stolpersteine in der Bewerbung sind?

Lücken im Lebenslauf



Lebenslauf: Wie im Bilderbuch

Schon im Kindergarten galt Max als Musterkind. In der Schule brachte er gute Noten nach Hause und war der Stolz seiner Eltern. Wie nicht anders zu erwarten, ging es auch beruflich steil die Karriereleiter hinauf. Schule, Lehre, Studium, Führungsposition … so einfach kann es laufen, wenn  der Berufsweg von Anfang an schnörkellos eingehalten wurde.  Nicht umsonst ist ein makelloser Lebenslauf der höchste Trumpf auf dem Arbeitsmarkt. Aber was ist, wenn der eine oder andere Stolperstein im Lebenslauf zu finden ist?


Lebenslauf: Die raue Wirklichkeit

Nicht jeder Lebenslauf sieht so geleckt aus. Gehörst Du zu den Menschen, die auf Jugendsünden in der Vita zurückblicken? Oder warst Du etwa ein Spätstarter und kommst erst jetzt richtig in die Gänge? Was ist mit den Auszeitnehmern, die eine Zeit lang gar nichts beruflich gemacht haben? Und da sind noch die Ausprobierer, die Umwege in Kauf genommen haben, um sich selbst zu finden? Auch die Krisengeplagten oder Menschen, die längere Zeit krank waren, legen nicht unbedingt einen makellosen Lebenslauf hin. Wie geht man am besten um, mit den Tücken und Lücken?


Ausrufezeichen    Schwarze Löcher im Lebenslauf

Als Lücken im Lebenslauf bezeichnet man Auszeiten im beruflichen Werdegang. Sobald sie länger als drei Monate dauern, müssen sie erläutert werden, damit für den Personaler keine Lücken entstehen. Für mögliche Einschnitte gibt es die verschiedensten Gründe oder Anlässe.
Ausrufezeichen    Einige Beispiele für Lücken im Lebenslauf:

❏           Arbeitslosigkeit
❏           Warten auf einen Studienplatz
❏           Warten auf einen Ausbildungsplatz
❏           Stellenwechsler zwischen zwei Anstellungen
❏           Studienabsolvent nach dem Examen bis zur ersten Anstellung
❏           Lücken durch Studiengangwechsel oder Ausbildungsabbruch
❏           Private Auszeiten z.B. für lange Reisen
❏           Pflege eines kranken Familienangehörigen
❏           Eine lange Krankheit
❏           Eine Lebenskrise
❏           Aufenthalt in einer JVA
❏           Elternzeit

 

Wie geht man mit Lebenslauflücken um?

Nicht alle Lücken im Lebenslauf  sind nachhaltig schädlich, wenn einige wichtige Regeln beachtet werden. Kurze Zeiten, bis zu ca. 10 Wochen, sind unschädlich und können vernachlässigt werden. Erst ab Zeiträumen von mehr drei Monaten und länger spricht man von richtigen Lücken.

Ausrufezeichen       Auch bei Lücken, die kleiner als 10 Wochen sind, sollten Sie immer eine plausible Erklärung parat haben, falls Sie, etwa in       einem Vorstellungsgespräch, darauf angesprochen werden!



Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen

Rückwirkende Fakten im Lebenslauf lassen sich leider nicht mehr korrigieren, auch wenn sich die persönliche Einsicht dazu inzwischen geändert hat. Bleibt nur die Frage: Wie engagiert gehst Du ab heute mit der Situation um. 

Mit Eigeninitiative punkten

Wer schon länger als drei Monate keine Arbeit findet, sollte sich einen Ruck geben. Denn Bewerbungen schreiben alleine genügt keineswegs. Auch wenn morgens der Wecker nicht mehr um 6 Uhr klingelt, muss die vorhandene Zeit möglichst sinnvoll genutzt werden, um beruflich am Ball zu bleiben. Also fülle den Tag mit Dingen, die Dich beruflich weiter bringen und setze so ein sichtbares Zeichen, dass du zu allem bereit und motiviert bist. Computer- und Softwarekurse bieten sich ebenso an, wie Businessenglisch oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Warum nicht die Zeit nutzen, um z.B. den Ausbilderschein zu machen.  Oft beteiligt sich auch die Arbeitsagentur an den Kosten.

Erfahrung sammeln als Eintrittskarte

Chillen und Feiern muss sein, aber wer die Wartezeit auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz sinnvoll verbringen möchte, ist klar im Vorteil. Denn gerade Jugendliche, die noch  nicht mit Berufserfahrung aufwarten können, machen mit Praktika im Lebenslauf die dicken Pluspunkte! Es lohnt sich auf jeden Fall, vorab schon in den Wunschberuf hinein zu schnuppern, auch wenn es im Praktikum oft keine oder nur wenig Euronen gibt.

Lücken im Lebenslauf Jugendsünden Bewerbungsschreiben

 

Reisen als Horizonterweiterung

Ich bin dann mal weg! Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich eine private Auszeit nehmen und den Koffer packen. Reisen bildet. Aber reicht das, um es im Lebenslauf aufzuführen? Wenn du dir mehrere Monate eine Auszeit gönnst, um ferne Länder zu erkunden, sollte dies im Lebenslauf erwähnen, damit keine ungefüllte Lücke bleibt! Unter dem Stichwort „Auslandsaufenthalte“ könnte eine solche Reise aufgeführt werden. Noch besser ist es, wenn in diesem Zusammenhang auch eine Sprachschule besucht wurde.

Liegt im Auge des Betrachters

Die Pflege eines kranken Familienangehörigen ist eine anspruchsvolle und ehrenwerte Aufgabe, vor der ich persönlich immer meinen Hut ziehe. In wieweit Personalverantwortliche solche Lücken beurteilen, liegt immer an der individuellen Person des Betrachters. Erstreckt sich die Pflegezeit über einen sehr langen Zeitraum, sinken die Berufschancen, denn je länger die Auszeit dauert, desto mehr Praxisroutinen gehen verloren. Auch hier kann es helfen,  wenn während der Pflegezeit, trotz aller Belastung, eine berufliche Weiterbildung stattfindet, und sei es in Form eines Fernkollegs.

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Tipp: Positiv klingende Formulierungen wählen 

„Vom 01.04. bis 31.08.2014 war ich arbeitslos.“ Diese Aussage hat einen  ausgesprochen negativen Klang. Besser und wesentlich positiver klingt: „ Vom 01.04. bis 31.08.14 war ich arbeitssuchend.“  Der Wortteil  „suchend“  weist auf Engagement hin und das wird beim Lesen im Unterbewusstsein als Pluspunkt wahrgenommen. Oder benenne die Zeit als Bewerbungsphase. Dieses Beispiel zeigt, wie Du durch geschickte Formulierungen die Lücken in deinem Lebenslauf  zumindest etwas aufpolieren kannst.

 

Ausrufezeichen  Hier einigige weitere geschickte Formulierungsbeispiele:

Statt Hausfrau und Mutter:  -Familienphase, Ehrenamtliches Engagement im Kindergarten und Mitarbeiterin im Projekt „Betreuende Grundschule“

Arbeit als Aushilfe  im Helferbereich:  - Geringfügige Beschäftigung als… (10 Stunden /Woche)

Wie werden Lücken im Lebenslauf überhaupt gefunden? 

Die Jagd nach eventuellen Lücken im Lebenslauf ist das kleine Einmaleins eines jeden Personalers. Worauf achtet ein Arbeitgeber bei der Begutachtung Deiner Bewerbung? Wer das weiß, ist in der Lage, im Vorfeld entsprechende Fehler direkt zu vermeiden. In der Regel gilt der erste Blick des Personalverantwortlichen naturgemäß dem Bewerbungsfoto. Nachdem Du als Person optisch in Augenschein genommen wurdest, wird direkt Dein Lebenslauf begutachtet.  Zuerst wird aufmerksam beurteilt, welcher Beschäftigung der Bewerber  zuletzt nachgegangen ist. Das ist wichtig, um die Passgenauigkeit zwischen der ausgeschriebenen Stelle und dem Bewerberprofil festzustellen. Wenn sich hier große Schnittmengen ergeben, und nicht anderweitig  grobe Fehler erkennbar sind  (Rechtschreibfehler, Grammatikfehler, Formatierungsfehler), wird der Lebenslauf im nächsten Schritt auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft.

Fleißarbeit die sich lohnt

Spätestens jetzt ist es wichtig, dass keine unerklärten Lücken erkennbar sind und die Zeugnisse möglichst vollständig vorliegen. Es fällt negativ auf, wenn die Datumsangaben, die auf den Arbeitszeugnissen bescheinigt werden, nicht exakt  mit der Datumsspalte des tabellarischen Lebenslaufs übereinstimmen.  Genau in diesem Punkt werden leider von Bewerbern erstaunlich viele Schnitzer gemacht! Wenn zu einigen Zeiträumen die Arbeitszeugnisse fehlen, werden sie üblicherweise nachgefordert, wenn der Bewerber interessant scheint. Daher ist es nicht unbedingt lohnenswert, ein schlechtes Zeugnis wegzulassen.

 

Lücken im Lebenslauf Darstellung

 

Tricksen mit den Monatsangaben 

Um dieser Überprüfung Stand zu halten, ist es unerlässlich, dass die Datumsangaben  in der ersten Spalte des tabellarischen Lebenslaufs Monats- und Jahresangaben enthalten: Richtig: 07/2010 – 10/2014. Falsch: 2010 – 2014. Sobald nur die Jahreszahlen angegeben werden, ist der Lebenslauf für einen Personaler nicht verwertbar.

Ehrlichkeit ist Trumpf 

Es ist also sinnvoll und legitim, die vorhandenen Lücken im Lebenslauf so positiv wie möglich darzustellen. Aber bitte bloß nicht mit Lügen und ausgedachten Geschichten aufwarten! Nur durch uneingeschränkte Ehrlichkeit kann ein zukünftiges Arbeitsverhältnis in Vertrauen und Nachhaltigkeit aufgebaut werden. Durch die verrücktesten Zufälle kommt die Wahrheit oft ans Licht, und sei es Monate oder Jahre später. Peinlich wird’s dann allemal!


Fazit:  

Lücken im Lebenslauf sind nicht gut, aber keine Schande. Wichtig ist, offen damit umzugehen und eine plausible Erklärung dafür zu haben. Geschickte Formulierungen helfen, die Lücken etwas positiver aussehen zu lassen. Die Datumsangaben der Arbeitszeugnisse sollten 1:1 mit den Angaben im Lebenslauf übereinstimmen. Lügen über Lebenslauflücken sollten immer  unterbleiben.  Berufliches Engagement in Zeiten ohne Anstellung hilft enorm  beim Wiedereinstig in den Beruf.

Autorin: Sabine Ratermann

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