Kurzbewerbung:

Die kleine Schwester der Bewerbung?

Kurzbewerbung
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Ausdrücklich eine Kurzbewerbung

Johanna ist Leiterin für Einkauf/Textil in einem kleinen Modehaus. Ihr Nachbar, der nette Herr Seeberg, klingelt gestern am späten Nachmittag an ihrer Haustür. Er arbeitet für ein großes deutschlandweit operierendes Modekaufhaus und erzählt, dass sein Arbeitgeber die Position des Einkaufsleiters neu besetzen möchte. Falls Johanna Interesse hat, solle sie ihm in den nächsten Tagen einfach eine Kurzbewerbung mitgeben.


Was ist eigentlich eine Kurzbewerbung?

Das ist natürlich ein tolles Jobangebot und die Chance auf einen richtigen Karrieresprung. So eine Möglichkeit darf sie sich keinesfalls entgehen lassen.  Aber was, um alles in der Welt, ist denn eine Kurzbewerbung? Ein Anruf bei ihrem Bruder Georg bringt Klarheit.

 „Eine Kurzbewerbung“, erklärt Georg, „besteht in der Regel nur aus dem Bewerbungsschreiben und deinem tabellarischen Lebenslauf. Eventuell kannst Du auch ein Deckblatt beigefügen. Wenn Du kein Deckblatt machen möchtest, muss Dein Bewerbungsfoto oben auf dem Lebenslauf enthalten sein. Die sonstigen Anlagen, wie Zeugnisse, Arbeitszeugnisse oder Referenzen werden im Unterschied zur „ausführlichen“ Bewerbung nicht mitgeschickt. Wer einen sehr umfangreichen Lebenslauf hat, kann sich auf die aktuellsten Tätigkeitsmerkmale der letzten zehn Jahre beschränken. Belanglose Studentenjobs oder Praktika können entfallen“.



    Was unterscheidet eine „Kurzbewerbung“ von
         einer „ausführlichen Bewerbung“?



Ausführliche Bewerbung               Kurzbewerbung

  Deckblatt mit Bewerbungsfoto          Deckblatt optional

  Vollständiger Lebenslauf                  Lebenslauf mit den wichtigsten
                                                                     beruflichen Stationen
                                                                     (ca. zwei Seiten) mit Foto

  Anschreiben (nur eine Seite)            Anschreiben (nur eine Seite)

  Abschlusszeugnisse                          entfällt

       (Schule, Studium)

 
Arbeitszeugnisse, Referenzen            entfällt

  Ggf. Arbeitsproben
                                      entfällt

  Bewerbungsmappe aus Pappe,         entfällt      

       Plastik      

  Nicht knicken, großen                        Nicht knicken, großen 
       Umschlag verwenden                            Umschlag verwenden
 


Fazit: Eine Kurzbewerbung besteht aus einem einseitigen Anschreiben und einem ca. zweiseitigen Lebenslauf. Ein gut gestaltetes Deckblatt ist optional und kann die Kurzbewerbung optisch aufwerten. Alle anderen Anlagen fallen zunächst ersatzlos weg, sollten aber vollständig vorliegen, denn häufig müssen sie auf Wunsch kurzfristig nachgereicht werden.


Weniger ist in diesem Fall mehr

 „Aber warum“, fragt Johanna, „möchte Herr Seeberg von mir nur eine Kurzbewerbung. Wäre es nicht sinnvoller, wenn ich gleich meine vollständige Bewerbung mit allen meinen sehr guten Zeugnissen einreiche?“

 „Nein, auf gar keinen Fall“, meint Georg, „denn der Vorteil einer Kurzbewerbung ist, dass zwar alles Wesentliche darin enthalten ist, aber der Zeitaufwand für den Personalchef überschaubar bleibt“. Georg weiß wovon er spricht, denn auch er hat schon oft nach einem anstrengenden Arbeitstag Überstunden gemacht, um stapelweise Bewerbungen durchzuarbeiten.

„Wenn eine Kurzbewerbung ausdrücklich verlangt wird, solltest du dich an die Vorgaben halten. Schließlich hat sich der Personalverantwortliche etwas dabei gedacht, wenn er eine Kurzbewerbung haben möchte. Wenn keine Bewerbungsform vorgegeben wird, ist es aber besser, eine Standartbewerbung mit allem Pipapo zu übergeben.“

 

Was ist eine Kurzbewerbung
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„Ach“, grübelt Johanna, „dann muss ich mir ja gar nicht die Arbeit machen, alle Zeugnisse und Arbeitszeugnisse herauszusuchen und zu kopieren. Das ist ja praktisch“.

 Besser gut aufgestellt sein

 „Da machst Du Dir jetzt aber falsche Hoffnungen. Denn eine Kurzbewerbung gilt in der Regel nur als Appetithäppchen, das Lust auf mehr machen soll und ersetzt nicht die richtige Bewerbung. Idealerweise bereitest Du gleich beides vor. Sollte die ausführliche Bewerbung angefordert werden, kannst Du sofort reagieren“, Georg grinst seine Schwester an, „und glänzen. Eines ist gewiss: Wer prompt auf Nachfragen reagiert, macht auf Personalchefs einen guten Eindruck.“

Johanna lächelt zurück. „So ganz klar ist mir noch nicht, in welchen Fällen eine Kurzbewerbung Sinn macht und in welchen nicht“?

 


In welchen Fällen ist eine Kurzbewerbung sinnvoll?


    Wenn der Arbeitgeber ausdrücklich eine Kurzbewerbung
         verlangt.

    Eignet sich, um gezielt Wunschunternehmen anzusprechen
        
(ähnlich wie Initiativbewerbung).

    Eignet sich als allgemeine Bewerbung für Job- und
          Karrieremessen.

    Eignet sich für Studenten- oder Aushilfsjobs.

    Eignet sich zur Bewerbung auf Chiffre-Anzeigen.


Fazit: Eine Kurzbewerbung sollte nur sehr wohlüberlegt eingesetzt werden.
In der Regel ist eine vollständige Standardbewerbung sinnvoller

 

Nur gezielt einsetzen

Georg zuckt mit den Schultern. „Das lässt sich nicht so konkret sagen. Ich würde es so sehen: Für Aushilfs- und Studentenjobs ist eine Kurzbewerbung oft ausreichend. Auch Leute, die auf Job-, Fach- und Branchenmessen gehen, um sich persönlich vorzustellen, können bei Bedarf eine Kurzbewerbung aus der Tasche ziehen. Diese Bewerbungen sind natürlich eher allgemeiner Art und nicht individuell auf eine spezielle Stelle zugeschnitten. Da macht eine Kurzbewerbung eher Sinn. Und natürlich, wie gesagt, wenn ausdrücklich nur eine Kurzbewerbung verlangt wird.“

Johanna ist immer noch nicht ganz im Bilde. „Sind das Anschreiben und der Lebenslauf einer Kurzbewerbung im Unterschied zu einer „normalen“ Bewerbung identisch, oder gibt’s auch hier entscheidende Unterschiede?“

 

 

Kurzbewerbung schreiben
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Da muss Georg selbst mal kurz nachdenken. „Also beim Anschreiben gibt’s zwei Möglichkeiten: Wenn Dir die genauen Einzelheiten zum Jobangebot bekannt sind, zum Beispiel durch eine Stellenanzeige, dann sollte auch das Anschreiben bei einer Kurzbewerbung passgenau auf die Stelle abgestimmt werden. Das heißt, Du musst im Anschreiben darlegen, warum gerade Du so perfekt für diesen Job geeignet bist. Das ist bei einer „normalen“ Bewerbung ja genauso.

Wenn Dir die Jobeinzelheiten nicht bekannt sind, wie in Deinem Fall, dann kannst Du nur allgemein schreiben. Am besten hebst Du in der Kurzbewerbung Deine besonderen Qualifikationen hervor. Und der Satz ‘Auf Wunsch reiche ich gerne alle Zeugnisse und Referenzen nach‘, würde ich auch mit reinschreiben.


 


   Vorteile einer Kurzbewerbung -
         Diese Vorteile können Sie nutzen:


Für den Bewerber                           Für das Unternehmen

   Zeitersparnis beim                             Zeitersparnis bei der Sichtung
       Bewerbungsschreiben,                           der Bewerber
       da weniger aufwendig
       (Inhalt und Design)                           Kostenersparnis durch geringere
                                                                       Personalkosten für Sichtung
   Kostenersparnis                        
        (weniger Papier, Porto)                      

   Mehrfach verwendbar, da allgemeiner
        gehalten

  
Es müssen nicht gleich alle Fakten auf
       den Tisch gelegt werden (pokern)

  
Kann vorbereitet werden, und bei
       Bedarf direkt aus der Tasche gezogen
       werden (ideal für Messen, Jobbörsen)

   Kann als Türöffner dienen , wenn keine
        konkrete
Stellenanzeige vorliegt.




    Nachteile einer Kurzbewerbung -
         Diese Nachteile müssen Sie in Kauf nehmen:



Für den Bewerber                            Für das Unternehmen

   Durch die Kürze, begrenzte                Es liegen weniger Details
      Darstellungsmöglichkeiten der                über den Bewerber vor 
      eigenen Fähigkeiten  
                                                                 Es liegen keinerlei Referenzen  
   Doppelte Arbeit, da häufig                    über den Bewerber vor
       noch die ausführliche Bewerbung
       nachgereicht wird                                                           
                                                           
   Eine ausführliche Standardbewerbung                
       bietet größere Erfolgschancen                      

 


Was ist sonst noch zu beachten?

 „Würdest Du an meiner Stelle das Bewerbungsfoto auf ein Deckblatt oder besser oben auf den Lebenslauf machen?“, fragt Johanna, denn sie ist sich in diesem Punkt unschlüssig.

„Das kannst Du machen, wie Du magst“, sagt Georg, „beides ist völlig okay. Hauptsache ist, dass Dein Foto dabei ist. Das erhöht die Chancen und den Wiederkennungswert.“

„Und welche Tipps hast Du noch für den Lebenslauf einer Kurzbewerbung“, will Johanna wissen?

„Im Grunde ist es ein ganz normaler tabellarischer Lebenslauf, den du bei einer Kurzbewerbung versendest. Du schreibst den Lebenslauf auf jeden Fall antichronologisch, das heißt, Du fängst gleich oben mit Deiner aktuellen Stelle an und gehst rückwärts vor. Mach bloß nicht den Fehler und fange mit der Grundschule an, die hat im Lebenslauf gar nichts verloren.“, witzelt Georg.

Kurzbewerbung Form und Inhalt
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„Das ist mir auch klar“, lacht Johanna.

 „Du würdest Dich wundern, wie viele Bewerber genau das immer noch falsch machen“, Georg verzieht vielsagend sein Gesicht. „Aber da Du sehr gute Noten hast und bei einer Kurzbewerbung keine Zeugnisse beigefügt werden, würde ich an Deiner Stelle im Lebenslauf die Abschlussnoten in Klammern mit aufführen. Das erhöht den Informationswert und poliert Deine Bewerbung noch etwas auf.“

 


Diese Angaben sollten in einer Kurzbewerbung nicht fehlen:


    Alle wichtigen beruflichen Stationen mit Tätigkeits-
         beschreibungen; bei langen Lebensläufen mind. die
         letzten zehn Jahre berücksichtigen.

   
Angaben zur Ausbildung oder Studium

    Besondere Qualifikationen und Zusatzkenntnisse in
         IT und Fremdsprachen

    Bewerbungsfoto

    Im Anschreiben soll ein Unternehmensbezug
         hergestellt werden: Argumente, warum der Bewerber
         optimal zur Stelle passt.


Fazit: Eine Kurzbewerbung kann zur Herausforderung werden.
Zwar kurz, bündig, überzeugend und trotzdem sollte alles
Wesentliche enthalten sein.




„Sehr gute Idee“, findet Johanna, „Ich setze mich nach dem Abendessen gleich an den Rechner, und fange mit meiner Kurzbewerbung an.“

Bereits zwei Tage später klingelt Johanna bei Herrn Seeberg und überreicht ihm den Umschlag mit Ihrer Kurzbewerbung. „Das ging aber flott“, staunt Herr Seeberg und nimmt den Umschlag in Empfang.

Schon am nächsten Tag klingelt Johannas Mobiltelefon. Der Personalchef des Modekaufhauses ist persönlich dran und lädt Johanna zum Vorstellungsgespräch ein. „So schnell kann es gehen“, freut sich Johanna und schreibt sofort eine SMS an ihren Bruder Georg.


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Sabine Ratermann