Datenfalle: kostenloser Bewerbungsgenerator

Achtung: Das steckt wirklich dahinter!


Kostenlose Bewerbungsvorlagen Pro Contra
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Das schmutzige Geschäft mit einem Bewerbungsgenerator

Bewerbung schreiben? Im Netz heutzutage alles kein Problem! Oder doch? Das Angebot ist riesig - lauter kostenlose Muster und Bewerbungsvorlagen, die jeder gratis nutzen kann. Die weit verbreitete Meinung: Nur Dummies legen für Bewerbungsvorlagen noch Geld auf den Tisch.

Und es geht noch toller! Immer mehr Websites bieten sogenannte Bewerbungsgeneratoren an. Die ebenfalls kostenlosen Tools liegen voll im Trend, denn sie funktionieren wie folgt: Über eine Benutzeroberfläche kann sich der User ein passendes Lebenslaufdesign aussuchen und anschließend seine persönlichen Daten und Fakten in Eingabefeldern ausfüllen. So wird ein fertiger Lebenslauf daraus und auf Knopfdruck als PDF ausgespuckt.

Die notwendigen Inhalte für den Lebenslauf werden vom Tool bereits abgefragt. Wer sich einfach durcharbeitet, braucht sich keine eigenen Gedanken mehr über den Bewerbungsaufbau zu machen. Damit ist ein Bewerbungsschreiber schnell fertig und spart sich die Mühe, lästige Formatierungen an Deckblatt, Lebenslauf und Bewerbungsschreiben vorzunehmen. Kleines Manko: Es muss vor der Nutzung in die Datenschutzbestimmungen eingewilligt werden, sonst gibt es keinen Zugriff auf die eigene Bewerbung. Spätestens jetzt müssen Sie hellhörig werden!

   Die Frage bleibt – wie uneigennützig sind die Macher, die aufwendige
         Vorlagen oder Bewerbungsgeneratoren den Bewerbermassen zur
         Verfügung stellen?

         Schließlich gehen sie mit jeder Menge Gestaltung und
         Programmierungsaufwand in Vorleistung. Also, was ist die Motivation
         derer, die sich derart mit Gratisleistungen für andere ins Zeug legen?


Die Antwort liegt auf der Hand – es geht natürlich nur ums Geldverdienen! Dagegen ist zunächst auch gar nichts einzuwenden. Aber wie funktioniert das, wenn die Dienstleistung kostenlos ist?

Datenverkauf ist inzwischen ein lukratives Geschäft – und wird nicht nur von Facebook, WhatsApp und Co. mit großen Gewinnspannen betrieben. Datensammler sind quasi die Goldsucher des 21. Jahrhunderts.

Eine Bewerbung enthält jede Menge sensible Daten, die sich perfekt verkaufen lassen. Das fängt bei den persönlichen Kontaktdaten an, geht über Noten und andere Leistungsbeurteilungen bis hin zu Auskünften übers Gehalt. Nicht einmal im engeren Freundeskreis geht man mit diesen Daten ganz offen und ungeniert um. Was in einer Bewerbung steht, ist einfach zu privat. Auch der Gesetzgeber schützt die Bewerberdaten per Gesetz. Es gibt für Firmen, die eine Stelle besetzen möchten, Verschwiegenheitspflichten über eingehende Bewerbungsunterlagen, die sogar einklagbar sind, falls das Unternehmen damit indiskret umgeht.

Im anonymen Netz haben Bewerberinnen und Bewerber aber erstaunlicherweise wenig Sorgen um ihre sensiblen Daten – sonst würde das System nicht funktionieren. Was Sie Ihrem Nachbarn niemals freiwillig zeigen würden, wird im Internet ohne Zögern ausposaunt. Bereitwillig werden Interna in die Benutzeroberfläche eingetippt und den aufpoppenden Datenschutzbestimmungen mit Klick ohne Blick zugestimmt. Hauptsache das leidige Thema "Bewerbung schreiben" wird schnell und unkompliziert abgehandelt.

Bewerbungsgenerator© Wunderbild/Fotolia


Die Macher freut es! Denn die so eingesammelten Daten sind bares Geld wert und können hundertfach verkauft werden. Vermutlich verschwinden die vertraulichen Daten nie wieder aus den Datenpools und es ist kaum mehr nachvollziehbar, in welchen dunklen Kanälen sie landen.

Das perfide an der Sache ist, dass die Daten, die ein Bewerber eingibt, auch echt sind und sich stark von den sonst so weit verbreiteten Fake-Profilen unterscheiden, die sonst so im Internet herumgeistern. Denn in der Regel wird bei einer Bewerbung nicht oder nur wenig geflunkert.

Damit es sich auch richtig lohnt, werden mit den Lebenslaufgeneratoren zum Teil Informationen abgefragt, die im modernen Lebenslauf nichts verloren haben, wie etwa die Anzahl der Kinder oder der Familienstand. Diese Fakten nutzen ausschließlich den Datenkäufern.

Wer sammelt die Daten ein?

Die Betreiber der Bewerbungsgeneratoren sind nicht die einzigen, die Ihre Daten verschachern. Auch bei Jobbörsen und Karriereportalen, die Ihren fertigen Lebenslauf per Upload an Arbeitgeber weiterleiten, sollten Sie einen Blick ins Kleingedruckte werfen. Das gilt teilweise auch für Bewerbungs-Websites, die ihre Leistungen kostenlos anbieten. Es gilt also genau hinzuschauen, auf welches Pferd man sich bei der Jobsuche setzt. Es wie bei Aschenputtel, die Schlechten müssen aussortiert werden, die Guten bleiben übrig.

Wer kauft die Daten?

Käufer für den personenbezogenen Adresshandel sind in erster Linie Listbroker, die hier den schwunghaften Datenhandel betreiben. Zu ihren Kunden zählen Firmen, die sich ein besseres Bild vom Kaufverhalten der Verbraucher machen möchten, um im Nachgang gezielt Werbung für die Wunschzielgruppe zu versenden. Zwischen 5,00 EUR bis 20,00 EUR und mehr liegt in etwa der Marktwert für ein authentisches Datenprofil. Deshalb sind die E-Mail-Adressen von bestimmten Berufs- oder Bildungsgruppen auch in jedem Fall ihr Geld wert – nicht selten wird der Zugang zu den personenbezogenen Daten im Monatsabo verkauft. Ein Abo für den Zugriff auf den Datenpool gibt’s für ca. 1.000 EUR aufwärts.

Der wichtige Blick in die Datenschutzbestimmungen

Wenn Sie sich trotzdem für die Arbeit mit einem Lebenslaufgenerator entscheiden, lohnt sich auf alle Fälle, vorab einen Blick in die Datenschutzbestimmungen der entsprechenden Website zu werfen. Informieren Sie sich, für was genau Ihre Daten genutzt werden. Allerdings müssen Sie schon ganz genau hinschauen, denn die Macher geben sich in den Datenschutzbestimmungen alle Mühe, die tatsächliche Nutzung, so gut es geht, unter den Teppich zu kehren.

Dort stehen Formulierungen, wie: „Wir teilen die Informationen, die wir von Bewerbern erhalten auch mit anderen Unternehmen, die unsere Dienstleistungen kaufen!“ Oder: „Wir reichern Ihren Datensatz mitunter durch eigene Beobachtungen an, jedoch nur in Hinblick auf vermutete Interessen.“
Oder: „Die Verarbeitung der Personendaten erfolgt zu Direktmarketingzwecken und der Pflege von Kundenbeziehungen.“ Oder: „Wir verwenden Ihre Daten zur Geschäftsanbahnung, sowie zur Stärkung der Kundenbeziehungen.“

    TIPP
          Wenn Sie fertig formatierte Bewerbungsvorlagen
         
nutzen möchten, achten Sie unbedingt darauf, dass Sie
          die Vorlagen erst downloaden und vor dem Ausfüllen
         
auf Ihrem Rechner abspeichern können.

          So wird gewährleistet, dass niemand Zugriff auf Ihre
          persönlichen Daten hat!

 
Spätestens nach Inkrafttreten der neuen DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) im Mai 2018 gelten für die Verarbeitung personenbezogener Daten eigentlich strengere Richtlinien.
Aber Achtung: Nachweisen muss der Datensammler nicht nur, dass der Betroffene seine Einwilligung gegeben hat, sondern auch, dass er hinreichend darüber informiert wurde, was mit seinen Daten passiert. Ob das in allen Fällen so erfüllt ist, bleibt dahingestellt.

Tatsächlich wurde die neue DSGVO mit guten Absichten novelliert, mit dem Ziel, besseren und einheitlicheren Datenschutz zu gewährleisten. Jedoch überprüft, ob sich alle daranhalten, wird bisher kaum. Folge: Wo kein Richter, da kein Kläger.

Impressum unter die Lupe nehmen

Es empfiehlt sich auch ein Blick ins Impressum zu werfen. Nach der Dienstleitungs-Informationspflichten-Verordnung aus dem Jahr 2010 ist bei Online-Veröffentlichungen ein Impressum zu führen. Kein oder nur ein unvollständiges Impressum gibt daher kein gutes Bild ab. Die Angaben einer erreichbaren Telefonnummer, am besten im Inland, eine postalische Adresse (keine Postfachadresse) und eine E-Mailadresse, die der URL der Web-Site entspricht (keine E-Mailadresse eines gängigen E-Mail-Providers), geben schon mal einen ersten Hinweis, ob die Macher der Website überhaupt identifizierbar sind. Auch an diese Vorschriften halten sich immer noch viele Webseiten, auch im Bewerbungsbereich, nicht.

Glücksache Bewerbungsschreiben

Bleibt die Frage, welche Qualität haben kostenlose Bewerbungen, die ein Generator erstellt, überhaupt? Inwieweit eine mit Generator erstellte Bewerbung individuell ist und sich von der Masse abheben kann, bleibt dahingestellt. Wer ganz gut formulieren kann, sollte in jedem Falle selbst seinen Text verfassen. Kein Personaler steht auf Einheitsbrei in seinem Bewerbungsstapel. Und es ist anzunehmen, dass die Generatoren überwiegend mit Standardtexten und Textkonserven arbeiten. Anders ist das ja gar nicht machbar.

Wer sich ohne solche Hilfsmittel sehr schwer tut, für den ist der Generator eine Option – allerdings muss dann in Kauf genommen werden, dass zwar nicht mit Geld, dafür aber mit persönlichen Daten bezahlt wird!

Fazit: Auch kostenlose Bewerbungsvorlagen und Bewerbungshilfen im Netz sind nicht immer kostenlos. Sie bezahlen unter Umständen mit Ihren persönlichen Daten. Daher macht es Sinn, vorab zu recherchieren, was genau mit Ihren Bewerbungsdaten passiert. Natürlich gibt es seriöse Anbieter, die Ihre Daten nicht nutzen – in der Regel müssen Sie aber diese Dienstleistungen bezahlen. Kostenlose Bewerbungshilfen sind in den allermeisten Fällen nicht selbstlos und verfolgen eigene Interessen. Es lohnt sich für Bewerbungsschreiber, genau hinzusehnen, wem Sie Ihre Daten anvertrauen.

Die peopleatventure.de Bewerbungsvorlagen bearbeiten Sie nach dem Download auf Ihrem eigenen Rechner. Wir haben deshalb keinerlei Zugriff auf Ihre Daten. Wenn Sie uns Ihre fertige Bewerbung zum Check hochladen, machen wir nur den Check. Sonst nichts. Ihre Daten werden nicht verkauft und nicht zu Marketingzwecken verwendet – sondern im Anschluss gelöscht. Garantiert.


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Sabine Ratermann