Etikette im Vorstellungsgespräch:

Wann begeben Sie sich aufs Glatteis?

Etikette im Vorstellungsgespräch

"Sie sind also Herr Weber? Dann kommen Sie doch bitte mit“, sagt der Chef und reicht dem Bewerber die Hand. „Guten Tag Herr Maier, ja, richtig, mein Name ist Hans-Peter Weber, vielen Dank für Ihre Einladung zum Vorstellungsgespräch“, antwortet der Bewerber mit einem ähnlich festen Händedruck wie der Unternemensleiter und steht dabei natürlich von seinem Stuhl auf.

Sicher wissen wie es geht

In diesem Beispiel wurden die ersten Hürden des Vorstellungsgesprächs elegant genommen, denn der Chef sollte immer zuerst die Hand reichen, so sagt es die Business-Etikette. Auch eine Bewerberin sollte aufstehen, wenn man ihr zur Begrüßung die Hand reicht. Jetzt bloß nichts falsch machen: Wer geht auf dem Weg zum Besprechungszimmer vor? Auch das entscheidet der Ranghöhere. Entweder er lässt Ihnen den Vortritt und gibt die entsprechenden Hinweise „Da vorne bitte die erste Türe links“ oder er geht als Ortskundiger selbst voraus. Gleiches gilt, wer zuerst den Fahrstuhl betritt.

„Haben Sie uns gleich gefunden?“ Oft wird der Weg ins Besprechungszimmer schon zu einem zwanglosen Smalltalk genutzt. Die ersten Sätze, und mögen die Themen wie Wetter und Parkplätze noch so belanglos sein, sind oft der Eisbrecher zwischen den Parteien und entscheiden über Sympathie. Versuchen Sie mit einem offenen Lächeln die Fragen zu beantworten. Sollte die Anreise voller Katastrophen gewesen sein, lassen Sie das besser weg.

So oder so ähnlich könnte sich in etwa ein guter Start in ein Vorstellungsgespräch abgespielt haben.


Etikette im Vorstellungsgespräch beachten

 

Eine gute Strategie gibt Sicherheit

Aber: Um beim Vorstellungsgespräch auch wirklich sicher, souverän und sympathisch anzukommen, hilft bereits vor dem Eintreffen eine gute Vorbereitung.
 
 

Das berühmte Viertelstündchen macht den Unterschied

Nichts wirkt fataler, als schweißgebadet und nach Atem ringend in letzter Sekunde bei einem Vorstellungsgespräch einzutreffen. Wer nicht ortskundig ist, sollte sich bereits rechtzeitig nach Parkmöglichkeiten erkundigen und mindestens eine halbe Stunde für Stau oder andere Verzögerungen einplanen. Falls Sie wesentlich zu früh sind, warten Sie im Auto, oder besser, gehen Sie ein paar Minuten durch die frische Luft. Dies ist auch der richtige Zeitpunkt, Ihr Mobiltelefon auszuschalten. Oh ja, noch schnell eine Beruhigungszigarette rauchen? Sie sollten besser darauf verzichten, denn der Nikotinduft hält sich ein paar Minuten an Ihrer Kleidung und macht einen schlechten Eindruck.
 
 

Spickzettel unbedingt erlaubt

Zur guten Vorbereitung gehört auch ein Blatt mit hinterlegten Fragen, die man im Vorstellungsgespräch unbedingt stellen möchte. Denn vor lauter lauter geraten oft die wichtigsten Fragen in der Aufregung ganz in Vergessenheit. Gehen Sie während des Gesprächs ruhig Ihre Aufstellung durch und prüfen Sie, ob Sie nichts vergessen haben. Das zeigt nur, dass Sie gut vorbereitet und gewissenhaft sind. (Typische Fragen: Arbeitszeit? Gleitzeit? Urlaub? Parkplatz? Gehalt? genutzte Softwareprogramme? etc.) Es empfiehlt sich auch, einen kompletten Satz Ihrer Bewerbungsunterlagen dabei zu haben, es gibt Personaler, die erwarten das.
 
 

Nix verkleckert nix verschütt

Im Besprechungszimmer setzt man sich erst, wenn ein Platz angeboten wurde. Oft wird ein Kaffee oder Wasser angeboten. Dies sollte man aus Höflichkeit auch annehmen. Alkohol ist immer abzulehnen, schließlich beabsichtigt man, ein weichenstellendes Gespräch führen und nicht gesellig beisammen sitzen. „Haben Sie vielleicht einen O-Saft für mich?“ Die Frage nach Extrawünschen stellt sich ganz sicher nicht. Angebotenes Gebäck ist lecker, aber die Krümel auf dem Hemd oder der Bluse sehen nicht gut aus. Also besser verzichten.
 
 

Raus aus dem Schneckehaus

Jetzt geht es vielmehr darum, trotz Nervosität eine gute Figur zu machen. Sitzen Sie auf dem Stuhl und nicht nur auf der Stuhlkante, das sieht gehemmt aus. Hören Sie konzentriert zu und beantworten Sie alle Fragen zum Lebenslauf ehrlich und in ganzen Sätzen. Fragen nur einsilbig mit ja oder nein zu beantworten, bloß um keine Fehler zu machen, ist ein denkbar schlechtes Konzept. Schließlich gehört Wortgewandtheit in fast allen Berufen zum Handwerkszeug.
 
Lassen Sie Ihre Gesprächspartner immer ausreden, zeigen Sie Interesse an ihren Fragen und vergessen Sie nicht, Gegenfragen zu stellen, denn nur so zeigen Sie Ihre  Begeisterung für die Firma. Halten Sie im Gespräch immer wieder Blickkontakt ohne dabei zu stieren, denn damit signalisieren Sie, dass Sie ein offener Mensch sind und andere Menschen nicht scheuen. Genau solche Bewerber werden gesucht.
 
 

Unbequeme Fragen

„Sagen Sie, Herr Weber, rauchen Sie eigentlich und haben Sie irgendwelche chronischen Krankheiten“? Wie geht man am besten mit solchen unerlaubten Fragen um?
Keinesfalls sollte man den Gesprächspartner darauf aufmerksam machen, dass er diese Frage gar nicht stellen darf! Im Idealfall fällt Ihnen eine diplomatische, ausweichende Antwort ein. Versuchen Sie, so gut es geht, eine Notlüge zu vermeiden.
 
„Ich bitte um Entschuldigung, aber ich muss jetzt dringend weg“. Auch wenn Sie einfach nur noch weg wollen, so prophan sollten Sie das Vorstellungsgespräch nicht beenden. Das Vorstellungsgespräch beendet natürlich immer der Chef. Setzen Sie einen schönen Schlusspunkt, indem Sie sich für das freundliche Vorstellungsgespräch bedanken und Ihr großes Interesse an dem Job nochmals betonen. Vergessen Sie auch nicht, sich im Sekretariat freundlich zu verabschieden, denn vielleicht sind Sie bald ein Kollege.

Autorin: Sabine Ratermann

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