Bewerbungsschreiben: Ende gut - alles gut

So formulieren Sie den perfekten Schlusssatz

 Schlusssatz Bewerbung

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Bei einem Bewerbungsschreiben gibt es Gepflogenheiten, an die Sie sich halten sollten, damit Ihre Bewerbung erfolgreich wird. Wer sich am üblichen Aufbau orientiert, hat es nicht nur einfacher, das Anschreiben inhaltlich zu verfassen. Auch für den Leser ist es angenehm, eine vertraute Struktur vorzufinden, da er so die für ihn wichtigen Informationen schnell findet. Was also soll in den Schlusssatz, um den Erwartungen des Lesers zu entsprechen?

 Kündigung

 

Was gehört eigentlich in den letzten Satz?

Gehaltsvorstellung? Eintrittstermin? Verschwiegenheitsklausel? Oder darf es vielleicht lieber ein Postskriptum sein? Mit all diesen thematischen Inhalten sollten Sie sich besser nicht von Ihrem hoffentlich zukünftigen Arbeitgeber verabschieden.

Stattdessen bitten Sie im letzten Satz freundlich um ein erstes persönliches Kennenlernen – das sogenannte Vorstellungs- oder Bewerbungsgespräch. Anzubieten, dass Sie sich gerne persönlich vorstellen möchten, baut Vertrauen auf und zeigt, dass Sie auf Ihr gutes Benehmen und Ihre Kommunikationsfähigkeit setzen.

Auch wenn Sie eine „Bitte“ aussprechen, dürfen Sie beim Schlusssatz nicht duckmäuserisch auftreten. Sinnvoll ist es, Kriterien aufzugreifen, die Arbeitgeber gerne bei Ihren Arbeitnehmern sehen: selbstbewusstes Auftreten, Kommunikationsstärke, Freundlichkeit, Direktheit und Dynamik.

Oh no - das sollte nicht in den letzten Satz

Gehaltsvorstellung: Die Gehaltsvorstellung wird in der Regel unmittelbar vor dem Schlusssatz kommuniziert, aber auch nur, wenn im Stellenangebot ausdrücklich danach gefragt wurde. Ansonsten wird die Gehaltsfrage besser erst im Vorstellungsgespräch angesprochen und geklärt.

Eintrittstermin: Der mögliche Eintrittstermin gehört zwar in jedes Anschreiben, sollte aber bereits vor dem Schlusssatz dargelegt werden. Quasi im „vorletzten Satz“.

Verschwiegenheitsklausel: Dagegen ist die sogenannte „Verschwiegenheitsklausel“ ein Relikt aus vergangenen Tagen und heute nicht mehr üblich. Begründung: Da in einer Bewerbung personenbezogene Daten enthalten sind, darf ein Unternehmer nicht ohne Zustimmung des Bewerbers aus dem Nähkästchen plaudern. Das regelt § 5 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG). Von daher ist ein solcher Sperrvermerk unnötig und taugt nicht mehr optimal als Schlusssatz.



Das muss Ihr Schlusssatz können


    soll die Bitte um ein Vorstellungsgespräch enthalten
           
    soll eine plausible Begründung enthalten, warum
         die Bitte ausgesprochen wird
         (z.B. um Sie von meiner Kommunikationsstärke zu überzeugen)

    soll mit positiven Worten bestückt sein
         (z.B. „Gerne“ oder „Ich freue mich“)

    soll Selbstbewusstsein ausstrahlen (ohne Konjunktiv)
         (z.B. Ich freue mich über eine Einladung...)

    soll nicht zu lang und umständlich formuliert werden

    soll nicht zu vorlaut sein
         (z.B. Gerne komme ich vorbei, wie wäre es am Mittwoch, um 10 Uhr?)

    soll keine rhetorischen Fragen enthalten
         (z.B. Habe ich Sie neugierig gemacht?)

 

Konjunktiv: Höflichkeit versus Souveränität

Früher üblich – heute aber fraglich: Warum ist der Klassiker aller Bewerbungsschlusssätze „Ich würde mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch sehr freuen.“ nicht die perfekte Wahl für ein erfolgreiches Anschreiben?

Würde/hätte/könnte-Formulierungen klingen ohne Frage höflich und bescheiden – aber sind das tatsächlich wünschenswerten Eigenschaften, die ein Arbeitgeber sich für sein Personal wünscht? Wer sich durch die Stellenangebote liest, merkt schnell, dass ein sicheres Auftreten, Selbstbewusstsein und Kommunikationsstärke heutzutage zu den wertvolleren Basics auf dem Arbeitsmarkt gehören.

Es ist also enorm wichtig, im Bewerbungsanschreiben souverän und auf Augenhöhe zu bleiben. Versuchen Sie deshalb unbedingt, den Konjunktiv zu vermeiden, wo es geht. Gerade im Schlusssatz der Bewerbung ist ein entschlossener Stil von Bedeutung und unterstreicht nochmals Ihre Motivation und Zielstrebigkeit. Aber Vorsicht, nicht alle Bewerbungsvorlagen setzen das auch korrekt um.

 


Beispiele, wie Sie den Konjunktiv im Schlusssatz vermeiden


    Ich würde mich über eine Einladung zu einem persönlichen
          Treffen sehr freuen.
    Ich freue mich über eine Einladung zu einem persönlichen Treffen.
 

    Gerne würde ich mich persönlich vorstellen.
    Gerne stelle ich mich persönlich vor.

    Ich würde mich freuen, etwas von Ihnen zu hören.
    Ich freue mich, etwas von Ihnen zu hören.

    Gerne wäre ich jederzeit für ein Vorstellungsgespräch
          in Ihrem Unternehmen bereit.
    Gerne bin ich jederzeit für ein Vorstellungsgespräch
          in Ihrem Unternehmen bereit.

    Über eine Rückmeldung von Ihnen würde ich mich sehr freuen.
    Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

    Sicher könnte ich Sie mit meinen Fähigkeiten in einem
          Gespräch überzeugen.
    Sicher kann ich Sie mit meinen Fähigkeiten in einem
          Gespräch überzeugen.

    Über eine positive Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen.
    Über eine positive Antwort von Ihnen freue ich mich sehr.

    Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und würde mich Ihnen
          gerne in persona vorstellen.
    Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und möchte mich Ihnen
          gerne in persona vorstellen.

 


Den richtigen Tonfall im Schlusssatz treffen

Worte wecken Emotionen beim Leser, und bieten obendrein noch jede Menge Interpretationsspielraum. Insbesondere Personaler lesen nicht nur die Fakten in, sondern auch zwischen den Zeilen. Deshalb ist es eine Kunst, mit viel Fingerspitzengefühl die richtigen Worte und Ausdrücke zu finden. Denn Ihre Formulierungen müssen den Leser nicht nur inhaltlich überzeugen, sondern Ihnen persönlich auch das gewünschte Image verpassen. Zugegeben - das ist nicht einfach und gelingt selten perfekt im ersten Anlauf.

Okay, es gibt sicherlich wichtigere Sätze im Bewerbungsschreiben, als den Schlusssatz. Da wäre der Einleitungssatz zu nennen, der, wenn er geschickt formuliert wird, zum Weiterlesen animiert oder Neugier weckt. Oder die Sätze, die eine Brücke schlagen zu den geforderten Fähigkeiten in der Stellenanzeige, und damit explizit Ihre Jobeignung darlegen. Trotzdem darf die Wortwahl beim Schlusssatz nicht vernachlässigt werden. Denn irgendwie bleibt besonders der Schlusssatz in der Erinnerung länger kleben, weil danach nichts mehr kommt.

Deshalb macht es Sinn, sich mit ein wenig Zeit und Inspiration dem letzten Satz im Anschreiben zu widmen. Es gibt viele Formulierungsmöglichkeiten, um für eine Einladung zum Bewerbungsgespräch zu werben. Probieren Sie mehrere Varianten aus und finden Sie heraus, welche am besten zu Ihnen und dem bereits formulierten Brief passt. Nutzen Sie die Kraft der positiv besetzten Worte (gerne, ich freue mich, überzeugen, persönlich, etc.), um einen Abschluss zu finden, der Sie sympathisch macht. Das Gute ist, wenn Sie Ihre perfekte Schlussformulierung erst einmal gefunden haben, können Sie sie immer wieder verwenden.

Raum für extravagante Formulierungen bietet der Schlusssatz eher nicht. Hier gilt, weniger ist mehr. Ein unüberlegter Schlusssatz kann auch schnell ein gewisses Unbehagen beim Leser auslösen. Deshalb ist es sinnvoll, eine neutrale Formulierung zu finden, die keinen negativen Interpretationsspielraum bietet. Das gilt nicht nur für die Standardbewerbung, sondern auch für alle Sonderformen, wie Kurz- oder Initiativbewerbungen.

 


Häufige Fehler im Schlusssatz


     zu forsch           

„Ich kann Ihnen schon jetzt schon zusagen, die Stelle
Anfang April diesen Jahres anzutreten.“

Anmerkung: Könnte als eingebildet ausgelegt werden. Besser ist es, ein
Kennenlernen vorzuschlagen, um von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen.

    zu unverschämt

„Da ich mich zurzeit in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis
befinde, bitte ich Sie, mich nur abends ab 20 Uhr anzurufen.“

Anmerkung: Keine gute Idee, einen potenziellen Arbeitgeber zu nötigen, in
seinem Feierabend anzurufen. Das Problem kann man sicherlich
irgendwie geschickter/besser lösen.

    zu billig

„Ich brenne darauf, meine Talente so bald wie möglich in
den Dienst Ihres Unternehmens zu stellen.“

Anmerkung: Die Wortwahl „brenne“ und „Talente“ ist nicht sehr geschickt, sie
geben dem Schlusssatz eine billige Note.


    zu selbstsicher

„Gerne stimme ich im Vorstellungsgespräch meinen
Eintrittstermin und alle weiteren Einzelheiten ab.“

Anmerkung: Klingt ja gerade so, als hätte man die Zusage schon in der Tasche.
Ein bisschen mehr Bescheidenheit würde hier guttuen.


   zu negativ

„Letze Zweifel an meiner Eignung räume
ich gerne bei einem Bewerbungsgespräch aus.“

Anmerkung: Das Wort Zweifel ist sehr negativ besetzt und sollte in einem
Bewerbungsschreiben niemals verwendet werden. Warum, um alles in
der Welt, sollte jemand an Ihnen zweifeln? Hoffentlich tun Sie das nicht
selbst, denkt am Ende der Leser!


    zu gierig

„In einem persönlichen Gespräch werde ich Sie
überzeugen, dass ich mein Geld wert bin.“

Anmerkung: Klar, es geht immer auch ums Geld, aber im Schlusssatz kann es
einen falschen Eindruck erwecken. Bessere Variante: … werde ich Sie von
meiner Kommunikationsstärke überzeugen.


    zu dreist

„Einem Kennenlernen steht von meiner Seite aus nichts
im Wege, passt es Ihnen auch am Donnerstag um 10 Uhr?“

Anmerkung: Dem künftigen Chef schon bei der Bewerbung gleich das Heft
aus der Hand zu nehmen, ist garantiert suboptimal.


   zu bescheuert

„Sie suchen einen engagierten, motivierten Mitarbeiter?
Ich stehe für ein persönliches Gespräch jederzeit zur Verfügung.“

Anmerkung: Die Suggestivfrage ist selbsterklärend und tut nichts für den Leser.
Und schon gar nicht für den Schreiber. Rhetorische Fragen haben grundsätzlich
nichts im Bewerbungsschreiben verloren.



Wie lang sollte ein Schlusssatz sein?

Kurz und bündig oder lieber lang und inhaltsschwer? Die eigentliche Frage lautet: Wie viel Platz habe ich noch für den Schlusssatz zur Verfügung? Denn tatsächlich soll das Anschreiben maximal auf eine Seite passen. Allein daran ist schon manch einer schier verzweifelt.

In der Regel erstreckt sich der Schlusssatz mit der Bitte um ein Vorstellungsgespräch über ein bis zwei Zeilen. Dabei richtet sich die Länge natürlich auch nach der verwendeten Schriftgröße. Wenn Sie für den letzten Satz gerade noch eine Zeile übrighaben – gar kein Problem - dann ist ein kurzer Schlusssatz völlig ausreichend. Ein sehr langer Schlusssatz (über drei Zeilen) liest sich vermutlich eher umständlich und ist vielleicht schon zu verschachtelt. Ein kleiner Test lohnt sich: Beim lauten Vorlesen merkt man schnell, ob ein Satz flüssig von den Lippen geht und leicht verständlich ist.


Ende gut, alles gut: Schlusssätze, die gut funktionieren


    Einzeiler als Schlusssatz 

"Ich freue mich, wenn wir uns bei einem persönlichen Treffen kennenlernen."

"Ich freue mich sehr, von Ihnen zu hören."

"Ich freue mich sehr auf Ihre Rückmeldung."

"Für ein persönliches Gespräch komme ich gerne zu Ihnen."

"Für ein persönliches Gespräch stehe ich jederzeit zur Verfügung."

"Über ein weiterführendes Gespräch freue ich mich."

"Ich stehe Ihnen gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung."

"Auf die Gelegenheit, mich persönlich vorzustellen, freue ich mich."

"Ich freue mich auf die Gelegenheit, mich bei Ihnen persönlich vorzustellen."




  Zweizeiler als Schlusssatz

"Gerne beantworte ich alle Fragen zu meiner Person
in einem persönlichen Gespräch."

"Ich freue mich sehr auf ein persönliches Kennenlernen
bei einem Vorstellungsgespräch."

"Über eine Gelegenheit zum persönlichen Gespräch
in Ihrem Hause freue ich mich."

"Bei einem persönlichen Kennenlernen möchte ich Sie gerne
von meinen fachlichen und kommunikativen Fähigkeiten überzeugen."

"Gerne möchte ich Sie persönlich von meinen Qualifikationen
und meiner Motivation überzeugen."

"An einem ersten Gespräch liegt mir viel, gerne stelle
ich mich persönlich bei Ihnen vor."

"Ihr freue mich sehr über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch
oder zu einem Probearbeitstag in Ihrem Unternehmen."

"Gerne stehe ich Ihnen jederzeit zu einem Gespräch zur Verfügung,
damit Sie einen persönlichen Eindruck von mir erhalten."

"Selbstverständlich stelle ich mich gerne Ihren Fragen zu meiner Person
und zu meiner bisherigen Laufbahn in einem persönlichen Gespräch."

"Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freue ich mich, in einem
persönlichen Gespräch kann ich Sie sicher von meiner Qualifikation überzeugen."

"Eine Einladung zum Gespräch nehme ich gerne wahr. Bei dieser Gelegenheit
kann ich Ihnen mehr Details über meinen beruflichen Werdegang berichten."

"Damit Sie sich ein persönliches Bild von mir machen können, bin ich gerne
jederzeit zu einem Vorstellungsgespräch bereit."

"Gerne überzeuge ich Sie von meiner Jobeignung. Auf einen Terminvorschlag
zum Bewerbungsgespräch freue ich mich."


Fazit: Üblich ist es, im Schlusssatz der Bewerbung um ein Vorstellungsgespräch bitten. Wichtig dabei ist, bei der Wortwahl auf positiv besetze Ausdrücke zu achten. Formulierungen mit Konjunktiv sind nicht ideal, denn sie wirken eher unterwürfig. Das ist nicht gewollt. Der letzte Satz sollte zwar selbstbewusst, aber nicht überheblich klingen. Auf jeden Fall ist es ratsam, dem Schlusssatz einer Bewerbung etwas Beachtung zu schenken und sich genau zu überlegen, was und wie man formuliert.

 

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Sabine Ratermann