Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit -

das müssen Sie unbedingt wissen!

 Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit in einer Bewerbung ist sicherlich kein Pluspunkt – aber auch keine Schande für Bewerber. Die wenigsten, die es trifft, sind deswegen schlechte Arbeitnehmer. Ein geschultes Personalerauge erkennt beim Lesen der Bewerbung sofort,  in welche Kategorie er die Bewerberin oder den Bewerber einordnen muss. Nicht jeder wird selbstverschuldet arbeitslos, oftmals sind äußere Umstände dafür verantwortlich. Wer versucht, die Arbeitslosigkeit wegzumogeln, hat schlechte Karten: Tricksereien beim Bewerbungsschreiben fallen sofort negativ auf!

Gehen Sie deshalb unbedingt offensiv mit der Arbeitslosigkeit in Ihrer Bewerbung um. Drumherumreden lässt am Ende nur negative Rückschlüsse auf Ihre Persönlichkeit zu.

 

       Häufige Bewerbungsfehler zur Arbeitslosigkeit

                  
     Es wird versucht, die Arbeitslosigkeit wegzumogeln 

Trick 1
: Die Monatsangaben in der Zeitspalte des Lebenslaufs werden weggelassen. Damit werden Lücken von einigen Monaten verschluckt.
Kommentar: Lebensläufe ohne Monatsangaben sind für den Leser komplett wertlos und werden in der Regel aussortiert!

Trick 2: Die Zeit der Arbeitslosigkeit wird umbenannt, zum Beispiel in ein Sabbatical oder eine längere Reise.
Kommentar: Spätestens im Vorstellungsgespräch, wird es schwierig, diesen Kurs zu halten und die Lüge fliegt auf!
Auch muss damit gerechnet werden, dass die  Arbeitgeber untereinander Informationen einholen können. Dann fliegt alles um die Ohren und es kann peinlich werden.

Trick 3: Es werden falsche Angaben über die Zeit der Arbeitslosigkeit gemacht
Kommentar: Ein Vollzeit-Sprachkurs, der nie stattgefunden hat, ist keine Lösung, um Arbeitslosigkeit zu verschleiern, zumal die dazugehörigen
Zertifikate oder Nachweise nie vorgelegt werden könnten!                     


      
Es wird versucht, sich für die Arbeitslosigkeit plausibel zu
       rechtfertigen


Kommentar:
Argumentieren Sie lieber überzeugend, warum Sie die perfekte Jobeignung mitbringen und nicht, warum Sie woanders gehen! 
Rechtfertigungen enden meist im hilflosen Versuch, etwas geradezurücken.


     
Die Arbeitslosigkeit wird in der Bewerbung zu stark thematisiert

Beispiel: Seit 4 Monaten bin ich arbeitslos und möchte mich deshalb bei Ihnen bewerben.

Kommentar: Zwar grundehrlich und gut gemeint, aber besser wäre es, durch eine optimale Jobeignung zu punkten! Verweisen Sie stattdessen besser auf Ihre  bisherigen beruflichen Erfolge!          



1. Arbeitslosigkeit im Lebenslauf

Lebenslauf und Anschreiben: Wo wird die aktuelle Arbeitslosigkeit in der Bewerbung am besten kommuniziert? Faustregel: Beschränken Sie sich grundsätzlich nur auf die nötigsten Angaben zur Arbeitslosigkeit – je weniger Sie darauf eingehen, desto besser. Allerdings - ganz verschweigen ist keine Option, sonst müssen Sie mit unangenehmen Fragen rechnen.

Klar ist, Sie müssen Ihre aktuelle Situation als arbeitssuchenderBewerber offen darlegen. Im Lebenslauf sollten die Fakten auf jeden Fall in der Rubrik „Beruflicher Werdegang“ immer dargestellt werden, im Anschreiben kann aber muss nicht darauf eingegangen werden.

 

Beispiel für einen antichronologischen Lebenslauf ohne Arbeitslosigkeit

 

Lebenslauf ohne Arbeitslosigkeit

 

Beispiel für einen antichronologischen Lebenslauf mit Arbeitslosigkeit

Lebenslauf mit Arbeitslosigkeit

 

Durch diese Darstellung im Lebenslauf wird Ihre Situation ohne Anstellung transparent dargestellt. Bei den Personalern kommt die offene und ehrliche Aussage besser an als offensichtliche Verschleierungsversuche.

Nur wenn die Arbeitslosigkeit schon sehr lange besteht, sollte überlegt werden, ob es nicht sinnvoll ist, einen chronologischen Lebenslauf (üblich ist der antichronologische)  zu schreiben. Die chronologischer Aufstellung wird inhaltlich genau andersherum aufgebaut. Sie beginnen nicht zuerst mit der Rubrik „Beruflicher Werdegang“, sondern mit Ihrer Schulausbildung, Ausbildung und dann kommt erst der „Berufliche Werdegang“, der entsprechend der zeitlichen Chronologie mit der ältesten Stelle anfängt. So wird erreicht, dass das die Arbeitslosigkeit erst weit unten im Lebenslauf erkennbar ist.

Vorteil des chronologischen Lebenslaufs: Der Leser hat sich schon eine gewisse Zeit mit der Bewerberin oder dem Bewerber beschäftigt und konnte sich ein Bild von der Jobeignung machen, bevor er mit der Tatsache Arbeitslosigkeit konfrontiert wurde.

Nachteil eines chronologischen Lebenslaufs: Chronologische Lebensläufe sind heute unüblich und kommen nicht so gut an. Für einen chronologischen Lebenslauf sollten Sie sich nur entscheiden, wenn Sie tatsächlich langzeitarbeitslos sind (ab 1 Jahr).

 

Beispiel für einen chronologischen Lebenslauf mit Arbeitslosigkeit


arbeitslos, arbeitssuchend im Lebenslauf

 

Tipp: Wie umgehen mit einer früheren Arbeitslosigkeit?

Lücken im Lebenslauf geben Anlass zu Spekulationen und werden daher negativ gesehen. Von einer Lücke wird gesprochen, wenn der Zeitraum ohne Erläuterung mehr als drei Monate beträgt, also über eine längere Reise oder eine kleine Auszeit hinausgeht.

Zeitspannen von über drei Monaten sollten daher im Lebenslauf immer begründet werden. Dazu gehört selbstverständlich auch eine zurückliegende Arbeitslosigkeit, die länger als drei Monate war. Den Zeitraum ohne Job einfach weglassen ist nicht zu empfehlen, denn Personaler prüfen Lebensläufe standardmäßig nach Lücken.

Auch wenn Arbeitslosigkeit im Lebenslauf kein Aushängeschild ist - es bleibt nichts anderes übrig, als Farbe zu bekennen. Vollständigkeit ist wichtiger! Im Umkehrschluss gilt: Lücken, die kleiner sind als drei Monate, brauchen nicht unbedingt erläutert zu werden. Allerdings kann es passieren, dass spätestens im Vorstellungsgespräch nachgefragt wird. Gut, wenn dann eine plausible Erklärung, ohne zu stocken, über die Lippen kommt.

 

Beispiel für die Abbildung einer früheren Arbeitslosigkeit


Beispiel Arbeitslosigkeit im Lebenslauf

 

 

Geschickte Darstellung durch positive Wortwahl

Psychologie spielt im menschlichen Alltag eine wesentliche Rolle. Dem können sich auch Personaler nicht entziehen. Die Kraft der positiven Worte wirkt im Unterbewusstsein, ob man will oder nicht. Deshalb hilft eine geschickte Wortwahl auch bei der Bewerbung um einen Job weiter.

 

 

       Geschickte Formulierungen und Tipps

                  

                    arbeitslos – Besser nicht verwenden, da kein positiver Aspekt
                           enthalten ist

      arbeitssuchend – Kann verwendet werden; beinhaltet die
                           Aussage, dass aktiv nach einer Arbeitsstelle gesucht wird;
                           gibt eine gewisse Dynamik wieder.

       Arbeit suchend – wie arbeitssuchend, nur andere Schreibweise

                   Ohne Anstellung – für eine aktuelle Arbeitslosigkeit nicht so gut
                           geeignet, weil kein positiver Aspekt enthalten ist. Kann aber für
                           vergangene Zeiten ohne Beschäftigung verwendet werden.

                    Ohne Arbeit – schlechte Wortwahl

             Ohne Beschäftigung – mäßig schlechte Wortwahl

             Findungsphase – netter Begriff, aber nicht ganz ehrlich, wenn
                           eine Meldung bei der Agentur für Arbeit erfolgt ist.
                           Vor allem, wenn danach weiterhin in der gleichen Branche
                           gearbeitet wird.

       Bewerbungsphase – Positiv besetzter Begriff,
                           kann verwendet werden

        Aktive Bewerbungsphase – positiver, dynamischer Begriff –
                           kann verwendet werden

             Orientierungszeit – Schwieriger Begriff, klingt irgendwie,
                           als will man eine Arbeitslosigkeit nicht zugeben!

             Fortbildungsauszeit – Dieser Begriff kann nur verwendet werden,
                           wenn in dieser Zeit nachweislich eine Fortbildung
                           stattgefunden hat.

             Sekretärin bei der Firma XYZ (danach ohne Anstellung nach
                           Insolvenz)  - kann man machen, allerdings könnte auch der
                           Rückschluss gezogen werden, dass die Sekretärin dazu neigt,
                           alles zu Ihren Gunsten auszulegen. Solche Formulierungen lassen
                           Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zu.

             Ohne Anstellung nach (eigener) Kündigung – kann man machen



Die Angabe von Gründen zur Arbeitslosigkeit

Es gibt viele Gründe, die zur Kündigung und Arbeitslosigkeit führen. Die wenigsten sind selbstverschuldet.  Deshalb ist es naheliegend, dass Bewerber dazu tendieren, direkt im Lebenslauf auch den Grund für die aktuelle Situation plausibel darzustellen. Die Angabe von Gründen ist verlockend, und wenn es nur für das eigene Ego ist.

Falls Sie gerne den Grund für Ihre Arbeitslosigkeit angeben möchten, sollten Sie darauf achten, nicht in Rechtfertigungen zu verfallen. Ausreden und ausschweifende Erklärungen haben in einer Bewerbung nichts verloren und verhelfen nicht zu einer neuen Stelle. Das gilt auch für falsche Angaben. Dass Sie spätestens im Vorstellungsgespräch Fragen dazu gestellt bekommen, damit müssen Sie rechnen.

 

 

  Beispiele für Begründungen bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit

01/ 2021   –   bis heute         arbeitssuchend wegen Beendigung der
                                                            eigenen Selbstständigkeit

01/ 2021  –    bis heute         aktive Bewerbungsphase nach Wohnortwechsel

01/ 2021   –   bis heute          Bewerbungsphase nach Umschulung

01/ 2021   –   bis heute          Bewerbungsphase nach massivem Personalabbau
                                                            des Arbeitgebers

01/ 2021  –   bis heute           Neuorientierung nach Schließung der
                                                            Niederlassung 
und Entlassung aller Mitarbeiter

01/ 2021   –  bis heute           Wiedereinstieg nach Erziehungszeit: arbeitsuchend

 

 

2. Arbeitslosigkeit im Anschreiben

Dass die Arbeitslosigkeit in den Lebenslauf gehört, ist klar. Aber was ist mit dem Anschreiben? Will die Leserin oder der Lesen nicht eine Begründung, wie die Arbeitslosigkeit zustande kam?

Nein! Der Platz im Anschreiben sollte vor allem gut genutzt werden, um die eigene Jobeignung nachzuweisen. Hier ist es wichtig, eine möglichst große Schnittmenge zu den Anforderungen im Stellenangebot herauszuarbeiten. Je mehr Übereinstimmungen zwischen den Aufgaben in der Stellenanzeige und Ihren Qualifikationen und Berufserfahrungen herzustellen sind, desto größer sind die Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung oder Initiativbewerbung.

Häufig wird in Bewerbungen aus der Arbeitslosigkeit der Fehler gemacht, sich im Anschreiben für die aktuelle Situation zu rechtfertigen. Das ist auch nachvollziehbar, denn die Gründe für eine Entlassung oder eine Eigenkündigung haben Sie sehr beschäftigt und Ihre Arbeitssituation völlig auf den Kopf gestellt. Trotzdem sollten Sie versuchen, beim Bewerbungsschreiben alle Emotionen zu vergessen und sich nur auf sachliche Argrumente zu konzentrieren. Sprechen Sie lieber Ihre persönlichen Erfolge an. Alles andere bringt Ihnen tatsächlich nur Nachteile. Und… schreiben Sie niemals negativ über Ihren alten Arbeitgeber!

Begründen Sie also, warum Sie unbedingt dort arbeiten möchten und nicht, warum Sie woanders gegangen sind! Den neuen Arbeitgeber interessiert Ihre Leistungsfähigkeit und Motivation. Dazu sollte das einseitige Anschreiben genutzt werden. Jeder Satz über Ihre Arbeitslosigkeit ist genau aus diesem Grund nicht zielführend.

 

 

   So bitte nicht: Negative Formulierungsbeispiele für Arbeitslose

     

    Ich bin momentan arbeitslos und auf der Suche nach einer
             neuen Herausforderung.

    Aufgrund einiger Differenzen mit meinem Vorgesetzten habe
             ich meine Stelle gekündigt und bewerbe ich mich auf Ihr Stellenangebot.

    Wie vorhin am Telefon besprochen, bin ich unverschuldet arbeitslos
             geworden und nun auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.

    Ich möchte mich gerne beruflich verändern und habe deshalb meine
             Arbeitsstelle gekündigt.             

Hier finden Sie Beispiele für einen gelungenen Einleitungssatz: https://www.peopleatventure.de/einleitungssatz

 

Pluspunkt ausspielen: „Ich stehe ab sofort zur Verfügung“

Wenn kein besonderer Grund vorliegt, sollten Sie Ihre Arbeitslosigkeit im Anschreiben nicht unbedingt erwähnen, außer an einer Stelle!

Im vorletzten Satz ist es üblich zu erläutern, wie lang Ihre Kündigungsfrist ist und ab wann genau Sie für die neue Aufgabe zur Verfügung stehen. Hier haben Sie einen kleinen Joker in der Hand, denn Sie stehen selbstverständlich kurzfristig zur Verfügung. Ein klaren Vorteil gegenüber allen, die eine längere Kündigungsfrist einhalten müssen.

 

Bewerbungsanschreiben mit einer früheren Arbeitslosigkeit

 

 

Arbeitslos: Die Zeit sinnvoll nutzen

Das Klischee, Arbeitslose liegen nur auf der faulen Haut, ist stark strapaziert. Schon deshalb ist es wünschenswert, die Auszeit sinnvoll zu nutzen, um etwa die Sprachkenntnisse aufzupolieren oder die Fachkenntnisse aufzufrischen. Es macht sich gut im Lebenslauf, wenn unter Weiterbildungen steht, dass Sie aktuell dabei sind, sich auf den neuesten Stand zu bringen. Schließlich finden Arbeitgeber motivierte und engagierte Arbeitnehmer klasse. Imagepflege in der Bewerbung lohnt sich garantiert. Wenn Sie in Ihrem Lebenslauf darlegen können, dass Sie aktiv an Ihrem Berufsleben arbeiten, wird die arbeitsuchende Zeit spielend ausgeglichen.

 

Fazit zur Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit

Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit muss kein Nachteil sein, wenn Sie einige Tipps beachten. Personaler können leicht Arbeitswillige von Faulpelzen unterscheiden. Dokumentieren Sie Ihre Arbeitslosigkeit auf jeden Fall im Lebenslauf. Bei Langzeitarbeitslosen kann überlegt werden, ob der Lebenslauf besser chronologisch aufgebaut wird. Nutzen Sie positiv besetzte Worte, um auf Ihre Arbeitslosigkeit hinzuweisen, arbeitssuchend klingt positiver als arbeitslos. Verschleierungstaktiken und Wortklaubereien enden häufig grenzwertig. Die Angabe von Gründen zur Arbeitslosigkeit macht nur Sinn, wenn Sie unverschuldet arbeitslos geworden sind. Bleiben Sie in jedem Fall bei der Wahrheit.

Im Anschreiben brauchen Sie nicht darauf einzugehen, warum Sie arbeitslos geworden sind. Es ist sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass Sie als Arbeitskraft sofort zur Verfügung stehen – ein klarer Vorteil gegenüber allen, die eine lange Kündigungsfrist einhalten müssen.

Bewerbungshilfe und Bewerbungsservice von peopleatventure.de

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Sabine Ratermann