Ich schreibe eine Bewerbung

Von der Recherche zum perfekten Endergebnis




Gibt es nützliche Hilfsmittel im Internet?

Okay, denke ich mir. Heute gilt es! Seit Tagen drücke ich mich um das so notwendige Bewerbungsschreiben herum. Ich habe hunderttausend Ausreden, um bloß nicht anzufangen zu müssen. Aber es hilft nichts. Ich mache den Rechner an und koche mir einen Kaffee.

Was suche ich eigentlich genau? Zum Glück gibt’s viele Hilfsmittel im Netz, denke ich bei mir, und mache mich auf die Suche nach der ultimativen Vorlage. Irgendetwas wird schon geben, was ich verwenden kann. Ich tippe die verschiedensten Suchwörter in die Suchmaschine: „Bewerbungsvorlagen“ … „Bewerbungsmuster“ … „Standarttexte für Bewerbungen“ … Aber ist es wirklich sinnvoll, auf diese Bewerbungskonserven zuzugreifen? Oder ist es nicht besser, selbst und ganz in Eigenregie zur Tat zu schreiten. Ich bin noch unsicher.

Bewerbungsschreiben ist keine Routinearbeit

Mal ehrlich. Die wenigsten hauen aus dem Stand einfach so eine Top-Bewerbung heraus. Vermutlich entpuppt sich der Plan oder die Notwendigkeit, eine Bewerbung zu schreiben, für die Mehrzahl der Bewerber als echte Herausforderung. Damit stehe ich also garantiert nicht alleine dar. Wer schüttelt schon die Antworten auf „Was gehört in eine Bewerbung?“ und „Wie formuliere ich ein perfektes Anschreiben?“ eben mal so aus dem Ärmel?


Aktualitätsbezug

Eine Bewerbung zu schreiben gehört, zugegebenermaßen, nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Meine letzte Bewerbung liegt jahrelang zurück und irgendwo ganz unten in irgendeiner Schublade. Das mühsame Herauskramen der ollen Kamellen kann ich mir eigentlich ersparen, es sei denn, ich möchte mit aller Gewalt die aktuellen Bewerbungstrends verschlafen!

Mein erster Weg zu einer perfekten Bewerbung führt mich also zu einer umfassenden Recherche ins Internet. Suchanfragen wie „Bewerbungsvorlagen“, „Muster Bewerbung“ oder „ Was gehört in eine Bewerbung?“ helfen gut, mir einen ersten Überblick zu verschaffen.

Der Einstieg ins Thema

Schließlich gibt es jede Menge Detailfragen, die ich zunächst klären muss. Um im Gerangel und den freien Arbeitsplatz gute Chancen zu haben, müsste es doch Standards geben, die, wenn sie eingehalten werden, funktionieren.  „Wie kann der Lebenslauf am sinnvollsten aufgebaut werden?“, „Wie begründe ich meinen Wechselwunsch?“, oder „ Soll ich meine Gehaltsvorstellung nennen?“ und "Welche Hobbys nenne ich im Lebenslauf?", sind nur einige Punkte, die mich beschäftigen, bevor ich mit der Ausarbeitung  beginnen kann.


Spicken erlaubt: Wie schreiben andere eine Bewerbung?

Ich klicke mich durch die verschiedensten Musterbewerbungen, so langsam kann ich mir ein Bild machen, wie meine Bewerbung in etwa aussehen muss. Ich finde Anregungen, wie ich ein Deckblatt gestalten kann und welche Informationen darauf enthalten sein sollen. Das Bewerbungsanschreiben macht mir am meisten Sorgen. Da weiß ich noch gar nicht, wie ich das nun anpacken soll. Die Entscheidung, was schreibe ich rein und was lasse ich besser weg, ist nicht so einfach. Wie lang mein Text sein darf und welcher Sprachstil geeignet ist, fällt mir leichter, wenn ich zunächst verschiedene Muster und Textbeispiele zum Vergleich durchlese. Auch die tabellarische Darstellung des Lebenslaufs bietet einige Varianten und sowohl inhaltliche als auch optische Gestaltungsmöglichkeiten. Aber welches ist die Beste?

 

Blick für richtige Inhalte schärfen

Doch bei meiner Recherche wird schnell deutlich: Nicht alle Muster und Bewerbungsvorlagen aus dem Internet sind fehlerfrei und in guter Qualität. Je länger ich im Netz in Sachen „Bewerbungsvorlagen“ unterwegs bin, desto größer wird meine Gewissheit, dass auch vieles,  was als „perfektes Bewerbungsmuster“ angepriesen wird, einfach nur Schund ist. Falsche Bewerbungstipps  und Vorlagen sind weit gestreut und machen eine Bewerbung, wenn es dumm läuft, zur Dauerniete. Ich bin wild entschlossen, dass mir so etwas nicht passiert. Also schalte ich alle meine Antennen auf Empfang und arbeite konzentriert weiter. Vor allem bei Bewerbungsseiten mit viel Werbung bin ich skeptisch.

 


Auch nach drei Stunden und zwei weiteren Tassen Kaffee bin ich noch nicht sicher, ob ich nun schon die perfekte Erfolgsstrategie für mich gefunden habe. Deshalb teile ich mein weiteres Vorgehen in vier mir logisch erscheinende Schritte ein:

 

I. Die „Verpackung“ meiner Bewerbung

Ich beschließe, zunächst  mit dem Part der Bewerbung anzufangen, der mir noch am ehesten Spaß macht. Das Design. Vor allem das Deckblatt ist ein „Eyecatcher“ und unterstreicht den Erinnerungswert in einem Bewerbungsstapel. Da ich mich in Grafikprogrammen nicht besonders gut auskenne, mache ich mich auf die Suche nach einer fertig formatierten Bewerbungsvorlage für Deckblatt, Lebenslauf und Anschreiben.  So kann ich meine  persönlichen Daten und Fakten einfach einfügen, ohne viel Zeit für lästige Formatierungsarbeiten zu verschwenden.

Solche Dinge, wie mich mit den korrekten DIN-Normen für Geschäftsbriefe, die auch für Bewerbungsschreiben gelten, zu beschäftigen, finde ich nervig und bin froh, wenn mir eine passende Vorlage das Abzählen von Zeilen und Abständen erspart. Auch Schriftart und –größe sind dann automatisch durch die ausgearbeiteten Vorlagen geklärt. Mustervorlagen im pdf-Format helfen mir allerdings nicht weiter, wenn ich mit den Bewerbungsvorlagen gleich arbeiten möchte. Ich mache mich also auf die Suche nach Download-Möglichkeiten im Word-Format. Das war ja wieder klar: Die, die mir auch wirklich gefallen, gibt’s leider nicht gratis. Guter Geschmack hat immer seinen Preis. Aber für Investitionen in meine Zukunft bin ich natürlich bereit, Geld auszugeben.

Ich bin ganz begeistert von der Vorlage, die ich nun habe. Deckblatt, Lebenslauf und Anschreiben sind in Farbe und Design ansprechend aufeinander abgestimmt. So perfekt hätte ich alleine niemals eine so tolle Optik hinbekommen! Den vorhandenen Mustertext kann ich bequem mit meinen individuellen Inhalten überschreiben. Zack, zack, zack, das läuft wie am Schnürchen. Mit meiner Mustervorlage bin ich nun gut ausgerüstet. Auf zum nächsten Schritt.

 

 

II. Der „Inhalt“ meiner Bewerbung

Nachdem ich nun eine richtig gute Bewerbungsvorlage habe, gehe ich mit Zuversicht auch an das schwierigste Thema: Inhalt und Formulierung.

Im Netz gibt es etliche Anbieter, die sogar speziell für meinen Beruf passende Musterformulierungen vorgeben.  Das macht es natürlich einfach. Text kopieren, einfügen, Namen und Firma abändern und fertig ist das Bewerbungsschreiben. Aber ich entscheide mich dagegen, solche Allround-Texte in meiner Bewerbung zu verwenden. Aus gutem Grund. Erstens sehe ich einen großen Nachteil darin, wenn Personaler ein und den gleichen Standardtext gleich von mehreren Bewerbern erhalten. Ist doch irgendwie peinlich, wenn klar wird, dem Bewerber  ist nichts Eigenes eingefallen. Das kommt für mich nicht infrage.

Und zweitens haben Musterbewerbungstexte von der Stange noch ein weiteres großes Manko: Der Bezug zur Stellenanzeige wird bei Standardtexten nicht beachtet. Und genau das ist doch das Geheimnis einer erfolgreichen Bewerbung! In der Stellenanzeige steht, was ich alles können muss. Ich überprüfe, was ich davon mitbringe. Je größer die Schnittmenge ist, desto besser sind meine Chancen. Also muss das Anschreiben so verfasst werden, dass die Passgenauigkeit zwischen Stellenangebot und Bewerbung möglichst gut herausgearbeitet wird. Ein zu 100 % übernommener fremder Mustertext hat garantiert keinen Bezug zu meiner Stellenanzeige.

Auch wenn es viel mehr Arbeit macht, um eigene Formulierungen komme ich also nicht drumherum. Schon während meiner umfangreichen Recherche habe ich verschiedene, gut formulierte Sätze und gelungene Formulierungshighlights gefunden, die ich mir gleich ausgedruckt habe. Das zahlt sich jetzt aus. Durch diese Maßnahme habe ich nun schon gute einzelne Bausteine, aus denen ich relativ problemlos mein individuelles Bewerbungsanschreiben grob zusammensetzen kann – mit diversen Änderungen – versteht sich. Darunter ist ein toller Einleitungssatz, der mir richtig gut gefällt, ein sehr persönlicher Schlusssatz, den ich in etwa gut verwenden kann, eine tolle Formulierung über Gehaltsvorstellungen und frühestmöglichen Eintrittstermin. So langsam aber sicher nimmt mein Anschreiben Form an.

Der Lebenslauf macht auch noch einmal etwas Arbeit. Auch hier bin ich wieder glücklich, dass ich eine fertige Vorlage habe, in die ich schnell und einfach meine Daten einfügen kann. Um die Tätigkeitsbeschreibungen auszufüllen, gehe ich systematisch meine alten Arbeitszeugnisse durch. Dort steht ja im Detail, was ich in welcher Firma alles gemacht habe. Auch hier werfe ich immer wieder einen Blick in die Stellenanzeige und habe im Auge, auf welche Anforderungen insbesondere Wert gelegt wird (Schnittmenge!!!). Es ist also nur eine Fleißarbeit, bis auch der Lebenslauf steht.
 

 


III. Mein „Look“ in der Bewerbung

Inzwischen sind Bewerbungsanschreiben und Lebenslauf soweit fertig, aber auf dem Deckblatt klafft noch ein dickes Loch. Mein Bewerbungsfoto fehlt. Ich blättere zunächst meine letzten Urlaubsfotos durch. Da sehe ich wenigstens gut erholt aus. Aber das wird nichts - das sehe ich gleich. Die Hintergründe der Bilder sind für ein Bewerbungsfoto zu exotisch, außerdem bin ich extrem braungebrannt und nicht ordentlich genug gekleidet.
 
Auch wenn ich mich dazu richtig aufraffen muss, um einen Fotografentermin komme ich nicht herum. Ich greife zum Telefonhörer und mache zuerst den Termin beim Fotografen und kurz davor noch einen Termin beim Friseur aus.
Nach einer Woche steht meine Bewerbungsmappe. Der Besuch beim Fotografen war eigentlich ganz locker und hat sich auf jeden Fall gelohnt. Passend zum Deckblatt (das hatte ich mitgenommen) wurde der neutrale Fotohintergrund ausgewählt. Jetzt sieht das Deckblatt doppelt edel aus.
 


VI. Der Bewerbungs-Check

Mindestens zehnmal habe ich meine Bewerbung  inzwischen durchgelesen und nach Rechtschreibfehlern durchforstet. Bei jedem Durchlesen finde ich immer andere Kleinigkeiten, die ich wieder abändere. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, möchte ich meine Bewerbung von einem Profi checken lassen. Auch hier werde ich bei meiner Suche im Netz fündig. So teuer ist ein Profi-Check gar nicht, wenn  man bedenkt, welchen Vorteil  und welche Lebensqualität eine perfekte Bewerbung bringen kann.
 
Bereits nach zwei Tagen bekomme ich meinen Check zurück. Ich bin sehr überrascht vom Ergebnis. Da gab es noch eine Menge, was ich verbessern sollte. Vor allem im taktischen Bereich brachte der Experten-Check nochmal zwei wichtige  Aspekte ins Spiel, an die ich so gar nicht gedacht habe. Und ein dicker Rechtschreibfehler war auch noch drin, den ich immer überlesen habe. Mit den Expertenänderungen hat meine Bewerbung jetzt nochmal einen richtigen Feinschliff bekommen und ist auf Hochglanz poliert.

Deckblatt, Lebenslauf und Anschreiben habe ich auf extra Bewerbungspapier ausgedruckt, das ist etwas fester und wirkt total professionell. Ich bin eigentlich schon super zufrieden mit meiner Bewerbung, im Nachhinein hat das Bewerbungsschreiben sogar Spaß gemacht. Wichtig ist, erstmal den Schweinehund zu überwinden und einen Anfang zu finden. Ich habe ein gutes Bauchgefühl, dass meine Bewerbung maximale Chancen auf Erfolg hat.

 

Fazit:

Es gibt Hilfsmittel für Bewerbungsschreiber im Internet. Vor allem für den Einstieg ins Thema bietet sich eine umfangreiche Recherche an. Bei der Auswahl der Seiten ist allerdings Vorsicht geboten – nicht alle Bewerbungsratgeber und Bewerbungsmuster bieten Qualität. Das wichtigste Hilfsmittel sind fertig formatierte Bewerbungsvorlagen. Es ist eine große Arbeitserleichterung, wenn schon mal die Formatierung steht. So bleibt mehr Zeit, um sich mit hochwertigen Formulierungen und Inhalten zu befassen. Mustertexte von der Stange abzuschreiben ist wenig hilfreich, da sonst die Passgenauigkeit zwischen Stellenanzeige und Bewerbung verloren geht. Einen Profi-Bewerbungs-Check puscht eine Bewerbung enorm.

Autorin: Sabine Ratermann

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