Klassisch oder unkonventionell?

Die Anrede im Bewerbungsschreiben



Lächerlich! Was kann man bei einer Briefanrede schon falsch machen? Antwort: Jede Menge! Und besonders bei einem Bewerbungsanschreiben!

Der Erfolg eines Bewerbungsschreibens hängt von der Summe aller richtig umgesetzten Details ab. Vor allem deshalb, weil jede Kleinigkeit dem Leser bei der Bildung des Gesamteindrucks einen gewissen Interpretationsspielraum bietet. Da das Anschreiben nicht mehr als eine Seite umfassen soll, wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Gerade Basics, wie etwa Anrede und Schlusssatz, machen die verschiedenen Anschreiben untereinander vergleichbar, und dürfen deshalb nicht vernachlässigt werden.


Ansprechpartner direkt ansprechen

„Sehr geehrte Damen und Herren“ ist die allgemeinste Form der Briefanrede und wird nur verwendet, wenn der konkrete Name des Empfängers nicht bekannt ist. Grundsätzlich falsch ist das nicht – aber speziell für eine Bewerbung ist das nicht genug! Das Credo fürs Bewerbungsanschreiben lautet: Nähe zum Leser aufbauen – Neugier wecken – in Erinnerung bleiben – sich als kompetente Arbeitskraft empfehlen. Vor diesem Hintergrund wirkt eine allgemeine Anrede zu unpersönlich und distanziert. Daher ist dringend zu empfehlen, den Adressaten mit persönlichem Namen anzuschreiben.


    "Sehr geehrte Damen und Herren"

            Darum ist die allgemeine Formulierung für eine Bewerbung
            ungeeignet:

❏    die Formulierung klingt zu distanziert

❏    es wird keine Nähe zum Leser aufgebaut

❏    es besteht das Risiko, dass die Bewerbung nicht auf dem richtigen
       Schreibtisch landet


❏    es könnte unterstellt werden, dem Bewerber macht es zu viel Mühe,
       den Namen zu erfragen


❏    es könnte unterstellt werden, der Bewerber hat sich nicht genug mit dem
       Unternehmen auseinandergesetzt.


 

In der Regel steht der Name des zuständigen Sachbearbeiters für Personalien als Ansprechpartner in der Stellenanzeige. In diesem Fall kann und sollte die Anrede im Anschreiben unbedingt personalisiert werden: „ Sehr geehrte Frau Mauss “. Dies ist für Bewerbungen die klassischste und gleichzeitig beste Variante.

Sehr geehrte Damen und Herren,    

Sehr geehrte Frau Mauss,                 

Allerdings kommt es immer wieder vor, dass in der Stellenanzeige explizit kein Ansprechpartner genannt wird. Was also in diesem Falle tun? Die Standardform „Sehr geehrte Damen und Herren“ verwenden? Oder sich die Mühe machen, den konkreten Namen zu erfragen?

Beim Sichten einer Bewerbung stellt sich der Personalentscheider immer wieder die Frage: „Wie groß ist das Interesse der Bewerberin oder des Bewerbers tatsächlich“? Die Tatsache, dass sich ein Bewerbungsschreiber die Mühe macht, den Namen des Ansprechpartners zu erfragen, wird durchaus als positives Engagement gewertet. Nicht selten ist schon allein deshalb kein Ansprechpartner in einer Anzeige angegeben, um zu testen, wer bereit ist, sich die entsprechende Mühe zu machen. Gezieltes Nachfragen lohnt sich auf jeden Fall, um Pluspunkte einzusammeln. Das fadenscheinige Argument, wenn kein Name angegeben ist, es gäbe mehrere Ansprechpartner oder es wäre eine allgemeine Anrede gewünscht, lasse ich nicht gelten.


Nachfragen – aber wie?

Die beste Möglichkeit, den Namen zu erfragen ist ein schneller Anruf unter der offiziellen Firmennummer. Entweder kann man sich dort direkt erkundigen oder aber, etwa bei großen Firmen,  lässt man sich zunächst mit der Personalabteilung verbinden. Meist wird die Nachfrage sofort freundlich beantwortet. Sinnvoll ist es, sich den erfragten Namen gleich buchstabieren zu lassen, denn die individuelle Anrede im Anschreiben leidet, wenn der Namen fehlerhaft geschrieben wird. Aber Achtung! Wer im Unternehmen anruft, in dem er sich bewerben möchte, muss damit rechnen, dass das Telefonat auch schnell zum Telefoninterview werden kann, wenn der Anruf direkt zum Personalentscheider durchgestellt wird. Also bitte nicht gänzlich unvorbereitet zum Hörer greifen.

Wer sich seiner Sache noch unsicher ist, kann auch kurz den Namen per E-Mail erfragen. Das geht ohne weiteres. Nachteil: So wird unter Umständen die Chance vertan, bereits vor Absenden der schriftlichen Bewerbung einen wertvollen persönlichen Kontakt herzustellen, der einen hilfreichen Wiedererkennungswert darstellt. Nichts ist so wertvoll, wie ein positiv verlaufendes Gespräch auf der gleichen Wellenlänge!


 

Wie kreativ darf eine Briefanrede im Bewerbungsschreiben sein?

Natürlich ist es ein guter Plan, sich von anderen Mitbewerbern irgendwie abzuheben. Aber bitte nicht um jeden Preis! Eine Bewerbung ist alles, nur kein Platz für Kreativität und Experimente. Es sei denn, es handelt sich um einen kreativen Beruf – dann schon!

In der Regel ist die Leserin oder der Leser des Bewerbungsschreibens unbekannt. Es steht also in den Sternen, ob die Person eher konservativ ist und einfallsreiche Formulierungen als aufdringlich empfindet oder eher zum aufgeschlossenen Typ gehört, die sich über eine individuelle Note freut. Im Zweifel ist es empfehlenswert, sich für die übliche Anredeform „Sehr geehrter Herr Mauss“ zu entscheiden, und so etwaige Fettnäpfchen zu umschippern.

Wenn der Adressat der Bewerbung bereits persönlich bekannt ist und gut eingeschätzt werden kann, sieht die Sache schon anders aus. Grundsätzlich rate ich aber trotzdem dazu, die Anrede eher klassisch und nicht zu vertraut zu halten, denn gerade Bewerbungsanschreiben gehen oft durch mehrere Hände. Gab es bereits diversen Schriftverkehr und Ton und Anrede des Personalers waren locker, so darf man gerne auf den eher legeren Stil eingehen. Umgangssprache wie „Hey“ bleibt aber weiterhin tabu.


Fehlerquelle bei Titel im Namen

Trägt der Personalentscheider einen Titel im Namen, so gehört dieser selbstverständlich auch mit zur Anrede. Der Titel „Professor“ wird dabei nicht abgekürzt. Ganz im Gegensatz zum Doktortitel und Diplom. Hier wird immer die abgekürzte Version „Dr.“ verwendet. Niedrige Grade, wie etwa Dipl.Kfm. oder Dipl.-Ing., entfallen in der Anrede.


     Titel der Anrede

❏    Sehr geehrter Herr Professor Mauss,

❏    Sehr geehrte Frau Professorin Mauss,

❏    Sehr geehrter Herr Dr. Mauss,

❏    Sehr geehrte Frau Dr. Mauss,

Beachte: Für eine Person, die mehr als einen Titel trägt, wird nur der höchste Titel in der Anrede benutzt. Auch bei mehreren Doktortiteln wird lediglich einer aufgezählt. (Achtung: Bei der Anschrift auf dem Briefumschlag oder in der Briefadresse werden dagegen alle Titel aufgezählt!) (lt. Knigge.de)


Reihenfolge bei mehreren Ansprechpartnern

Nicht selten kommt es bei Bewerbungen vor, dass mehrere Personalverantwortliche vorhanden sind. In diesem Fall kommt es unbedingt auf die richtige Reihenfolge an. Grundsätzlich ist der ranghöchste Ansprechpartner zuerst zu nennen. Das gilt auch dann, wenn eine Frau mit dabei ist, die so an die zweite Stelle rückt. Sind dagegen alle Ansprechpartner auf Augenhöhe, wird aus Höflichkeitsgründen zuerst die Frau genannt. Sind zum Beispiel drei gleichgestellte Herren anzusprechen, könnte eine alphabetische Reihenfolge gewählt werden.


     Die richtige Reihenfolge bei der Anrede

❏    Sehr geehrter Herr Direktor Mauss,
       sehr geehrter Herr  Dr. Katz,


❏    Sehr geehrter Herr Direktor Mauss, sehr geehrter Herr Dr. Katz,

❏    Sehr geehrte Frau Dr. Hund,
       sehr geehrter Herr Dr. Vogel,


Beachte: Bei zwei Ansprechpartnern kann die Anrede wahlweise nebeneinander oder untereinander erfolgen. Bei mehr als zwei Ansprechpartnern empfiehlt sich die Darstellung untereinander. Achtung: Bei Aufzählungen wird das zweite und jedes weitere „sehr“ klein geschrieben, da es nach dem Komma steht.


 

Satzzeichen in der Anrede

Am Ende der Anrede ist unbedingt ein Satzzeichen zu setzen. In Geschäftsbriefen ist es üblich, hier mit einem Komma abzuschließen. Das gilt auch fürs Bewerbungsanschreiben. Die zweite Variante, die Anrede mit einem Ausrufezeichen in Szene zu setzen, sollte zumindest in Geschäftsbriefen nur in Ausnahmefällen angewendet werden. In Bewerbungsschreiben haben Ausrufezeichen grundsätzlich nichts zu suchen. Auch nicht am Ende der Anrede. Ein Ausrufezeichen in der Anrede eines Bewerbungsanschreibens wirkt sehr  aufdringlich und gilt als Fauxpas.

Nach dem Satzzeichen wird immer direkt eine neue Zeile angefangen. Da am Ende der Anrede ein Komma steht, wird das erste Wort der neunen Zeile klein geschrieben. Es sei denn, es handelt sich um ein Substantiv, das von Haus aus ohnehin groß geschrieben wird. Ist doch eigentlich alles logisch. Aber ganz ehrlich, man glaubt nicht, wie häufig diese Fehler in einer Bewerbung immer noch vorkommen!


 

Das „Du“ in der Anrede

In einer Bewerbung soll, wie schon erwähnt, Distanz zum Leser abgebaut und Vertrauen aufgebaut werden. Zu viel Vertrautheit, wenn diese nicht angebracht ist, wird allerdings schnell zum Auskriterium. Gelegentlich sind Stellenanzeigen im „Du“-Jargon abgefasst. Damit wollen Unternehmen erreichen, als innovativ und immer einen Schritt voraus zu gelten. Oder es steht als Indiz dafür, dass der Job nicht besonders gut bezahlt wird – haha.  Trotz der Du-Vorgabe im Inserat sollte in einem Bewerbungsschreiben stets das neutrale „Sie“ verwendet werden, alles andere wirkt respektlos. Spätestens nach den ersten Rückmeldungen auf die Bewerbung in Du-Form wird klar, wie hier der Hase läuft. Unterschreibt der Personalreferent nur mit seinem Vornamen und gibt das „Du“ vor, würde es als Arroganz ausgelegt, wenn der lockere Umgang des Unternehmens nicht aufgegriffen wird.  Bei manchen, vor allem jungen Unternehmen, duzt jeder jeden, auch den Chef. Hier sollte man sich selbstverständlich in die Gepflogenheiten entsprechend einfügen.

Ganz anders verhält es sich, wenn der Adressat persönlich gut bekannt ist und man sich ohnehin duzt. Hier ist ein Übergang zur formellen Anrede verwirrend und kann unterbleiben.

Noch besser ist es, wenn bei einem Anruf wegen des Ansprechpartners seitens des Unternehmens ausdrücklich zum legeren Umgang aufgefordert wird. So nach dem Motto „hey, ich bin der Ben, wir sind hier alle per Du, das ist doch okay für dich“? Dann gehört auch das „Du“ in die Bewerbung. Aber auch hier gilt: Wer sich nicht ganz sicher ist, sollte im Zweifel lieber auf das Du verzichten!


Gehört auch der Vorname in die Anrede, wenn er bekannt ist?

In der Anrede wird grundsätzlich nur der Nachname verwendet. Der Vorname wird weggelassen. Es sei denn, das Anschreiben ist in der Du-Form verfasst. Dann ist natürlich nur der Vorname zu verwenden und der Nachname entfällt.

Sehr geehrter Herr Mauss,
Guten Tag Jonas,


Anredealternativen

Wer auf keinen Fall die Standard-Formulierung „Sehr geehrte Frau Mauss,“ verwenden möchte und nach Abwechslung sucht, hat leider kaum passende Möglichkeiten.


    Hier einige alternative Formulierungen allerdings nur unter Vorbehalt:

        Guten Tag, Herr Mauss,                                - mögliche Variante
       Guten Tag Herr Mauss,                                 - mögliche Variante
       Hallo Herr Mauss,                                         - besser nicht, zu respektlos
       Hallo, lieber Herr Mauss,                              - besser nicht, zu vertraulich
       Lieber Herr Mauss,                                       - besser nicht, zu aufdringlich
       Sehr verehrter Herr Mauss,                          - besser nicht, zu altbacken
       Guten Tag, sehr geehrter Herr Mauss,         - besser nicht, zu umständlich
       Werter Herr Mauss,                                      - besser nicht, zu antiquiert

Anmerkung: Der Duden setzt nach „Guten Tag“ ein Komma, nach der DIN 5008 Vorschrift für Geschäftsbriefe kann das Komma nach „Guten Tag“ auch entfallen. Somit sind wohl beide Schreibweisen nicht zu beanstanden. Für meinen Geschmack ist die Schreibweise ohne Komma nach „Guten Tag“ etwas moderner.



Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die beste Anrede für ein Bewerbungsschreiben ist und bleibt wahrscheinlich auch die zugegebener Weise die übliche Standardformulierung „Sehr geehrte/r Herr/Frau xy“.

Autorin: Sabine Ratermann
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