Bewerbung: Die hohe Kunst, nicht an

Absagen zu verzweifeln

Oder wie gehe ich mit Bewerbungsabsagen um?

 

In der Bewerbungsphase kann der tägliche Gang zum Briefkasten durchaus zum emotionalen Hürdenlauf werden.

„Nach Prüfung Ihrer Unterlagen müssen wir Ihnen heute leider mitteilen, dass wir Sie nicht in den engeren Kreis der für o.g. Position in Frage kommenden Kandidaten aufnehmen konnten. Bitte sehen Sie darin keine Abwertung Ihrer Person, Kenntnisse und Qualifikation. Unsere Entscheidung beruht auf dem spezifischen Anforderungsprofil für diese Aufgabenstellung.“

So oder so ähnlich klingen die üblichen Standardsätze, wenn wieder eine Absage ins Haus flattert. Auch wenns nicht persönlich gemeint ist: Wer die mit viel Mühe verfasste Bewerbungsmappe retour erhält, empfindet es meist als eine persönliche Niederlage. Ohne Zweifel ist es ein Dämpfer fürs vielleicht schon angeschlagene Selbstbewusstsein.


Absagegründe Fehlanzeige

Besonders nervig: Die eigentlichen Gründe, warum die Absage erfolgte, werden nicht kommuniziert und bleiben unter dem Deckmäntelchen des Schweigens. Dabei wäre es für Bewerbungsschreiber hilfreich zu wissen, woran es diesmal lag. Vor allem, wenn es sich um den Traumjob schlechthin handelte oder ein besonders gutes Bauchgefühl im Spiel war!


   Darum sind Absagegründe top secret:

❏    Arbeitgeber fürchten eine Klage wegen Diskriminierung und möchten sich
       juristisch nicht
angreifbar machen (Allem. Gleichbehandlungsgesetz)

❏    Es gab eine Vielzahl an gleichwertigen Bewerberinnen und Bewerber

❏    Die Stelle wurde nur pro forma ausgeschrieben und bereits intern besetzt

❏    Es ist den Unternehmen zu arbeitsintensiv, alle Absagen individuell
       zu begründen


❏    Es sollen unangenehme Diskussionen mit abgelehnten Bewerberinnen
       und Bewerbern
vermieden werden

❏    Die Stellenbesetzung war schlicht eine Sympathiefrage

 

Doch Arbeitgeber halten sich mit Ihren Aussagen bezüglich Ihrer Bewerberentscheidung sehr bedeckt. In der Regel gibt’s für Absagen eben nur Texte, die von Juristen vorformuliert sind. Und das aus gutem Grund. Aufgrund des für Bewerbungen geltende „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) darf ein Unternehmen keinen Arbeitnehmer z.B. wegen seines Alters, seines Geschlechts oder seiner Religionszugehörigkeit benachteiligen.

Wird etwa ein jüngerer Jobaspirant vorgezogen, sollte das in einer Absage keinesfalls kommuniziert werden, sonst drohen negative Folgen. Gleiches gilt für den Fall, dass die Entscheidung zugunsten eines männlichen Bewerbers fällt, da der Ausfall durch eine Babypause viel unwahrscheinlicher ist. Ehrlich zugeben wird dies kein Unternehmen, weil sonst eine Klage auf Schadenersatz ins Haus stehen könnte.


 

Der richtige Umgang mit Absagen

„Verdammt! Schon wieder eine Absage erhalten“! Enttäuscht zu sein ist selbstverständlich erlaubt und wird sich ohnehin nur schwer vermeiden lassen. Aber aufgeben ist keine Option. Die Parole muss lauten: Nicht entmutigen lassen! Wie so oft im Leben, wird auch ein Bewerbungsschreiber mit jeder Bewerbung routinierter, erfahrener und besser. Vorausgesetzt natürlich, es findet eine nachträgliche Analyse der abgelehnten Bewerbungsunterlagen statt. Nur, wer nochmal ganz genau hinschaut, kann aus eigenen Fehlern lernen und im nächsten Versuch besser sein.

Nach dem ersten Wundenlecken ist es wichtig, die eigenen Unterlagen erneut einer detaillierten Prüfung zu unterziehen. Spätestens, wenn der Absagenstapel immer weiter wächst, muss in Betracht gezogen werden, dass an der eigenen Strategie nachgebessert werden muss, damit es endlich zu einer Einladung zum Bewerbungsgespräch kommt. Mit jedem neu durchdachtem Detail kann eine Bewerbung eine höhere Schlagkraft erhalten! Übrigens: Gute Muster oder Bewerbungsvorlagen können eine echte Hilfe sein!

 


   Mögliche Gründe für die Absage nach einer schriftlichen Bewerbung

❏    Die Passgenauigkeit zwischen Stellenanzeige und Bewerbung stimmt nicht;
       die in der Anzeige geforderten Muss-Voraussetzungen, wie etwa
       Berufserfahrungen oder spezielle Softwarekenntnisse werden nicht zu 100 %
       erfüllt. Viele Absagen beruhen auf Bewerbungen, für die keine ausreichende
       Qualifikation vorliegt.


❏    Die Bewerbung ist nicht individuell genug. Das passiert, wenn bei einem
       Standardschreiben nur die Adresse und die Anrede
       ausgetauscht werden. Standardbewerbungen haben wesentlich geringere
       Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Erfolgsversprechender sind Bewerbungen,
       die gezielt auf ein bestimmtes Unternehmen und das Stellenangebot
       zugeschnitten sind.


❏    Wurde die Frage nach der Gehaltsvorstellung beantwortet?
       Wenn im Stellenangebot ausdrücklich nach der Gehaltsvorstellung gefragt
       wurde, ist das geforderte Bruttojahresgehalt im Bewerbungsanschreiben
       anzugeben. Eine fehlende Angabe kann ein Ausschlusskriterium sein.
       Wenn nichts in der Anzeige steht, brauchen zunächst keine Angaben
       zum Gehaltswunsch gemacht zu werden.
       Auch eine zu hoch oder zu niedrig angesetzte Gehaltsvorstellung
       kann zum Aus führen.

❏    Enthält die Bewerbung zu viele Rechtschreibfehler?

❏    Ist der Lebenslauf gut strukturiert und enthält keine Lücken?
       Unter Umständen entstehen auch Lücken durch unbeabsichtigte
       Zahlendreher oder Übertragungsfehler. Gerade der Lebenslauf wird immer
       wieder gerne ohne weitere Durchsicht wiederverwendet und birgt deshalb
       unter Umständen ein Fehlerpotential.


❏    Wurden die Tätigkeitsbeschreibungen im Lebenslauf an die Anforderungen
       der Stellenausschreibung angepasst? Je größer die vorhandene
       Schnittmenge, desto größer die Erfolgschancen.

❏    Waren die Anlagen vollständig und richtig geordnet?
       Als Faustregel gilt: Alle relevanten Zeugnisse und Arbeitszeugnisse müssen
       vorhanden sein. Allerdings darf der Anhang nicht zu groß oder unübersichtlich
       werden.

❏    Wurde die eigene Motivation positiv genug kommuniziert?
       Warum möchte ich den Job unbedingt? Hier werden oft viele Bonuspunkte
       verschenkt!


 

 

Absage nach einem Vorstellungsgespräch

Wenn eine Einladung zum Bewerbungsgespräch erfolgt, dann hat die schriftliche Bewerbung gut funktioniert und braucht nicht hinterfragt zu werden. Aber auch ein Vorstellungsgespräch kann zur Absage führen.

Die Ursachen für eine Absage nach dem Vorstellungsgespräch können vielfältig sein und sollten unbedingt reflektiert werden.

Ein unmittelbar nach dem Gespräch verfasstes Gedächtnisprotokoll kann bei der Selbstanalyse gut helfen.


   Mögliche Gründe für eine Absage nach dem Vorstellungsgespräch

❏  Die Anspannung war zu groß und nicht in den Griff zu bekommen.
     Ein unsicheres Auftreten bleibt einem geschulten Personaler selten
     verborgen. Aber mit jedem weiteren Vorstellungsgespräch stellt sich
     mehr Routine ein.


❏  Die Gesprächspartner waren sich von Anfang an unsympathisch.
     Das kann immer mal passieren, da ist dann nichts zu machen.


❏  Es stellte sich heraus, dass die Kleidung doch nicht so angemessen
     war, wie gedacht. Sofort fühlt man sich fehl am Platz.
     Das wirkt sich auch auf den Gesprächsverlauf aus.


❏  Die gestellten Fragen waren zu unerwartet und konnten nur
     unzureichend beantwortet werden. Hier hilft eine intensive
     Vorbereitung evtl. auch als Rollenspiel, um eine gewisse Sicherheit
     zu erlangen.


❏  Die Gehaltsverhandlungen waren zu überzogen.

 

Die Absage richtig deuten

Absage ist nicht gleich Absage. Es ist ein Unterschied, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber noch im engeren Kreis der Jobaspiranten war, oder ob er/sie in der großen Masse der Bewerber unter ging.

Erfolgt die Absage direkt nach dem Vorstellungsgespräch, dann gibt’s kein Vertun: Mit Pauken und Trompeten durchgefallen! Bei einer schnellen Absage ist es dem Unternehmen leicht gefallen, die ablehnende Entscheidung zu treffen. Kommt die Absage erst deutlich später, könnte es sein, dass die Entscheidung doch nicht ganz so einfach zu treffen war. Etwa ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss? Nicht ausgeschlossen.

Auch aus den Absageformulierungen lässt sich das eine oder andere Detail herauslesen. Standardformulierungen ohne persönlichen Bezug sind haltslos. Anders verhält es sich bei individuellen Absagen, wie etwa: „Vielen Dank für die Einsendung Ihrer Bewerbungsunterlagen. Ihr Profil hat uns außerordentlich gut gefallen. Zwar wurde die von Ihnen angestrebte Stelle anderweitig besetzt, wir würden auf Ihre Bewerbung aber, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, bei Bedarf zurückgreifen.“

Eine weitere sehr positive Bewertung von Bewerbungsunterlagen könnte lauten: „ Ihre Bewerbungsmappe hat uns sehr gut gefallen und wir bedauern es sehr, dass wir Ihnen heute eine Absage erteilen müssen. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich auf unserer Website weiterhin über offene Stellen informieren. Gerne nehmen wir Ihre Bewerbungsunterlagen bei Interesse erneut in Empfang.“

Nach der Absage Kontakt aufnehmen?

Woran lag’s denn nun? Natürlich ist die Versuchung groß, Kontakt mit den Personalverantwortlichen aufzunehmen, um herauszufinden, was die genauen Absagegründe waren. Aber ist das eine gute Idee? Eine Pauschalantwort auf diese Frage gibt es leider nicht.

Wie so oft im Leben, kommt es auf den Einzelfall an. Wurde die Bewerbung abgelehnt, ohne dass es zu einem Vorstellungsgespräch kam, ist eine Rückfrage bezüglich der Absage schwierig. Vor allem, wenn bis dato noch kein telefonischer Kontakt bestand. Die Wahrscheinlichkeit, eine konkrete und ehrliche Aussage zu erhalten, geht gegen Null. Grundsätzlich ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, den Hörer in die Hand zu nehmen, und persönlich nachzufragen. Allerdings sollte man gewappnet sein, dass eine höfliche, aber deutliche Abfertigung erfolgen kann.

Anders sieht es aus, wenn die Absage nach einem Vorstellungsgespräch erfolgt. Durch ein persönliches Kennenlernen wurde bereits eine Basis geschaffen, die eine Nachfrage erlaubt. Vor allem, wenn offene Sympathie im Spiel war, ist es möglich, dem Ansprechpartner den einen oder anderen nützlichen Hinweis zu entlocken.

Ein gutes Nachhaken-Gespräch kann durchaus neue Türen öffnen. Es ist nicht ganz abwegig, dass eine weitere, noch nicht ausgeschriebene Stelle ins Gespräch kommt, oder die Bewerbung für künftige Vakanzen infrage kommt. Gutes Personal gibt es heutzutage nicht an jeder Ecke, deshalb sind Firmen immer an guten Kandidaten, die alle Voraussetzungen mitbringen, interessiert. Wer nach dem Vorstellungsgespräch ein positives Gefühl hatte und trotzdem die Absage erhält, sollte daher unbedingt nachfragen. Vor allem, wenn man sich selbst als kommunikationsstark einschätzt, lohnt  ein Anruf.

Nicht ganz so wirkungsvoll, aber dennoch eine Restchance, ist es, sich nach einer Absage per Mail zu melden. In einem höflichen Schreiben sein Bedauern auszudrücken, kann nicht schaden. Eine abschließende Mail unterstreicht, dass das Interesse am Job und dem Unternehmen immer noch groß ist und aufrichtiges Interesse besteht. Es kann helfen, dem Personalverantwortlichen mitzuteilen, dass er sich bei Bedarf gerne wieder melden kann.

Erfahrungsgemäß gelingt ein erfolgreiches Nachhaken bei mittelständischen Unternehmen besser als bei durchstrukturierten Großfirmen.



Immer auch die zweite Chance im Blick haben

Selbst für Unternehmen läuft eine Stellenbesetzung nicht immer rund. Nicht jede hoffnungsvolle Neubesetzung erweist sich in der Probezeit als Volltreffer. Spätestens dann braucht das Unternehmen einen adäquaten Ersatz – und das möglichst schnell. Eine neue Stellenanzeige ist mit zeitintensiven Bewerbungssondierungen und Vorstellungsgesprächen verbunden und schreckt mit den damit entstehenden Kosten die Personalverantwortlichen eher ab.

Aus Diesem Grund ist es wahrscheinlicher, dass Firmen nochmals aus den vorhandenen Kandidaten schöpfen. Spätestens hier kann es sich auszahlen, wenn eine Bewerberin oder ein Bewerber sich durch einen netten Kontakt bleibend in Erinnerung bringen konnte.

Selbstmotivation nicht unterschätzen

Positiv und kraftvoll denken ist einfacher gesagt, als getan. Dennoch ist eine positive Grundhaltung im Bewerbungsprozess unerlässlich!

Resignation lässt sich für den aufmerksamen Leser zwischen den Zeilen ablesen. Gerade Personalberater sind geschult, jede Nuance in sich aufzunehmen und auszuwerten. Speziell Feinheiten sind hilfreich, um Unterschiede zwischen dem üblichen Bewerbungseinheitsbrei herauszufiltern. Im direkten Vergleich stechen einige Bewerber besonders hervor, weil die eigene Motivation sehr überzeugend dargelegt wird. Das ist aber nur möglich, wenn die innere Einstellung stimmt.
 
Gute Gespräche und sich selbst mal etwas gönnen, kann durchaus helfen, nicht in ein tiefes Absageloch zu fallen. Es bleibt jedem selbst überlassen, was gut tut und von Frustmomenten ablenkt. Sich niedergeschlagen ins einsame Kämmerlein zu vergraben, ist sicherlich keine Patentlösung.

 

Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Wer zu lange Haare hat, geht zum Friseur. Warum sich nicht auch bei einer Bewerbung helfen lassen? Schließlich geht es um viel! Eine gute Arbeitsstelle ist ein wesentlicher Faktor für Wohlstand, Zufriedenheit und Glück.

Erfahrene Personalberater, die sich täglich mit Bewerbungen beschäftigen, sehen mit einem Blick, ob eine Bewerbung funktioniert oder nicht. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die in der Summe zur Absage führen.

Spätestens wenn nach der zehnten Bewerbung noch keine positive Rückmeldung vorliegt, lohnt es sich, auf professionelle Hilfe zurückzugreifen. Ein Check der fertigen Bewerbungsmappe kann von Anfang an viel Leidenszeit ersparen. Der Preis für einen guten Bewerbungscheck liegt etwa bei 50 EUR.

 

Autorin: Sabine Ratermann

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